Aberglaube – Bist du abergläubisch?

  Voltaire:

„Je weniger Aberglaube, desto weniger Fanatismus, und je weniger Fanatismus, desto weniger Unheil.“

Abergläubig / abergläubisch bin ich wohl nicht…

Ich bin aber gläubig (!getrennt geschrieben!)!… auf eine sehr skeptische und stets mich hinterfragende Weise… Und da ich nun in 48 Jahren erleben und erfahren konnte, dass mein (sich stets weiter entwickelnder) Glaube trägt im Leben, werde ich mich wohl nicht mehr zum Atheisten wandeln…

(„Kirche/Kirchen“ dagegen sind wieder ein völlig anderes Thema…)

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Aberglaube und Glaube?

Für manchen gibt’s da nämlich keinen: Illusion alles, was jenseits der 5 Sinne liegt…

Definieren wir’s also mal genauer:

Glaube: lat. re-ligio (= Anbindung) / indogerm. leubh (begehren, für lieb erklären, vertrauen); für mich: die Anbindung an/ Vertrauen auf den Ur-Grund meines Daseins, an den Sinn, auf dem ich gegründet bin (Atheismus = für mich: sinn-loses Dasein…)

Aberglaube: Religionskritiker verwenden den Begriff für sämtliche Glaubensvorstellungen und Religionen –  na also, bin ich doch abergläubisch… –

religiöse Menschen verwenden ihn mitunter für Glaubensrichtungen, die nicht die Ihren sind  (das würde ich mich nicht erdreisten…)

Meiner Meinung nach handelt es sich immer dann um Aberglauben, wenn der Verdacht besteht, dass Menschen manipuliert werden sollen:

> magisches Denken wie z.B.:

Amulette (Wer will da was verdienen?)

böser Blick (wer braucht da einen Sündenbock, wer soll schlecht gemacht werden?)

> absurde Verküpfungen von „Ursache“ und „Wirkung“ wie z.B.

schwarze Katze – Unheil droht! (Welche Ängste sollen instrumentalisiert werden? für was?)

Wenn du deine Suppe nicht aufisst, gibts morgen kein gutes Wetter *lol*

(Einreden von Schuldgefühlen – unfair!)

> Deutung von Mechanismen als soziale Handlungen

Es regnet – der Himmel weint (Gott macht das mit Absicht! Nur wegen dir! – Zeichen für ein ziemlich hochnäsiges, egozentrisches Weltbild…)

Immer hat Aberglaube etwas mit Furcht, Schuldgefühlen, Abhängigkeit (also nicht der Anbindung an eine Idee, sondern an ein Konstrukt (=Kirche, Sekte), dem Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit zu tun…

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Glaube dagegen ist ein befreiendes Erlebnis.

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Zum Schluss noch ein kluges Wort:

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Glaube, dem die Tür versagt,

steigt als Aberglaub ins Fenster

wenn die Götter ihr verjagt,

kommen die Gespenster.           

    (Emanuel Geibel)

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13 Gedanken zu „Aberglaube – Bist du abergläubisch?

  1. Muriel

    Da tauchen in deinem Beitrag diese beiden sonderbaren Ideen auf, man führe als Atheist ein Dasein ohne Sinn und sei außerdem besonders anfällig für Aberglauben.
    Ist das so tatsächlich deine Meinung, oder missverstehen ich dich?

    Antwort
    1. errollbundelfeuerstein Autor

      @Muriel: sonderbare Idee Nr. 1: nein, so arrogant bin ich nicht – MEIN eigenes Leben ist nicht vorstellbar ohne Glauben, ich akzeptiere aber durchaus, dass „Lebenssinn“ aus verschiedenen Quellen geschöpft werden kann (was ich sehr spannend finde) und auch ein Atheist irgendeinen „Grund“ hat, auf dem er/sie sein/ihr Leben „aufbaut“.
      sonderbare Idee Nr. 2: ja, das denke ich schon, habe aber keine Belege dafür außer meine Alltagserfahrung (Beobachtung bei anderen Menschen), die sich mit dem Zitat von Geibel deckt. Irgendwie scheint doch jeder, der seine Grundbedürfnisse nach Nahrung usw.gedeckt hat, auf der Suche nach dem Wozu und Warum zu sein – und da gibt es unzählige „Bauernfänger“ mit sehr praktischen „Antworten“…

      Antwort
      1. Muriel

        Dann bin ich entweder unterernährt oder merke es nur nicht…
        Im Ernst: Klar gibt es die. Aber dass unter den Atheisten ein höherer Anteil zu magischem Denken neigt als unter den Theisten, das bezweifle ich doch ganz nachdrücklich.
        Aber wenn du anerkennst, dafür keine anderen Gründe als deine persönliche Erfahrung zu haben, gibt es natürlich nicht viel zu diskutieren. Dass es in deinem Umfeld so ist, kann ja durchaus stimmen, und wie es sonst aussieht, wissen wir beide nicht.

  2. errollbundelfeuerstein Autor

    Tatsache ist, dass es auch INNERHALB der großen Kirchen sehr viele abergläubische / magisch denkende Menschen gibt, nur haben die (wenn sie tatsächlich Kontakt zu ihrer Glaubensgemeinschaft haben und keine „Bürokratieleichen“ sind) eher ein Korrektiv über die anderen UND die Gesellschaft. Welcher Esoterikspinner setzt sich denn ernsthaft mit seinen Überzeugungen auseinander?

    Antwort
    1. Muriel

      Och. Manche von denen setzen sich sehr ernsthaft mit ihren Überzeugungen auseinander, nur machen sie es falsch.
      So wie der Papst, oder der Dalai Lama. Bei denen gehe ich auch davon aus, dass sie sich regelmäßig sehr ernsthaft mit dem Stuss auseinandersetzen, den sie so glauben. Hilft aber auch nicht.
      Parallel würde der Esoterikspinner vielleicht sagen: Klar, wir glauben an Tarot und Ouija, aber dafür ist der Anteil der religiösen Menschen bei uns viel geringer, weil es da in unserer Gemeinschaft ein Korrektiv gibt…

      Antwort
      1. errollbundelfeuerstein Autor

        Wie setzt man sich denn dann deiner Meinung nach RICHTIG mit seiner Überzeugung auseinander? Kann ich davon ausgehen, dass du mit „falscher“ Auseinandersetzung meinst, dass man immer innerhalb seines Glaubenskonstrukts bleibt und keine abweichenden Möglichkeiten zulässt – oder wie meinst du das?

      2. Muriel

        Das ist natürlich schwer mit wenigen Worten prägnant zu erklären. Ich würde sagen, dass man die üblichen Regeln der Logik beachten und sich aufrichtig mit allen Argumenten auseinandersetzen sollte, die man so findet, statt sich darauf zu konzentrieren, die eigene Position zu rechtfertigen.
        Solange man sich daran hält, ist es schon ziemlich schwierig, irgendeinem Aberglauben zu verfallen, sei er religiös oder anders.

  3. Heinz

    „Meiner Meinung nach handelt es sich immer dann um Aberglauben, wenn der Verdacht besteht, dass Menschen manipuliert werden sollen“
    Das ist bei der Kirche/deiner Religion auch so, besonders bezüglich:
    „Wer will da was verdienen?“
    und
    „Einreden von Schuldgefühlen – unfair!“

    Antwort
  4. errollbundelfeuerstein Autor

    Das ist für mich ein schmerzliches Problem mangelnder religiöser Bildung.
    Ok, geh ich mal von meiner Kirche aus, der katholischen (aber in der evangelischen läufts ähnlich).
    INNERHALB (!) der Kirche gibt es eine große Vielfalt an theologischen bzw Glaubens-Strömungen und Lebensmodellen jenseits der jeweiligen päpstlichen Linie, die auch offen diskutiert werden. Ich sag nur mal Hans Küng (ja, er wurde abgestraft, ist aber immer noch katholisch 🙂 – Glaube ist eben nicht gleich Kirche), „Initiative Kirche von unten“, „Wir sind Kirche“, wer es ganz krass will: „Netzwerk katholischer Lesben“ (ja, das gibts :-), „Priesterinnen.net“) uvm… Genau so natürlich wie diese progressiven Strömungen gibt es natürlich auch ultrakonservative.
    Allerdings kommen in den „einfachen“ Gemeinden diese differenzierten Glaubensansichten nicht an, nicht selten aufgrund der Feigheit des Klerus.
    Will sagen:
    1. Wer will da was verdienen – für mich irrelevant, ich weiß, wo die Kirchensteuern hingehen. Das wird innerhalb der Diözese absolut offengelegt und siehe da: kein Sektenguru im Rolls Royce, stattdessen soziale Infrastruktur satt.
    2. Einreden von Schuldgefühlen greift schon lange nicht mehr – WENN, ja, WENN man anfängt selber zu denken und sich zu bilden. In der religiösen Bildung ist das Zweifeln und Fragen stellen, auch das Diskutieren und Hinterfragen IMMENS viel wichtiger als das sklavische Befolgen irgendwelcher Dogmen.
    Leider – und das muss ich einräumen – gibt es immer noch einen großen Teil „Scheuklappenchristen“, die von der Großmutter Tradiertes immer noch so weitertragen, also eine „Volksfrömmigkeit“, die keiner theologischen Überprüfung standhalten würde, aber praktisch dazu dient, repressiv zu erziehen bzw. ein „enges“ Gesellschaftsdenken zu erhalten. Leider geht das die Kirche viel zu zimperlich an aus Angst, „religiöse“ Gefühle zu verletzen.

    Wie sich praktischer GLAUBE (jenseits kirchlicher Dogmen) vs. „Kirchendenken“ in der heutigen Zeit darstellen kann, dazu mal ein link:
    http://engagiert.de/no_cache/engagiert-archiv/2013-06-single/article/frauenbeziehungen-normal-halt.html
    (Ich führe halt schon wieder die Haltung gegenüber Homosexualität als Beispiel an, weil sie gerade öffentlich so heftig diskutiert wird – ebenso hätte ich eine katholische Unterschriftenaktion für das Frauenpriestertum und gegen das Zölibat heraussuchen können).
    Viele gebildet-gläubige engagierte Katholiken (auch Angehörige der Amtskirche) richten sich in ihrem Handeln schon lange nicht mehr nach Kirchengesetz, sondern ohne Schuldgefühle nach ihrem Gewissen. Das mag bigott sein, aber einen 2000 Jahre alten Laden mit 1,2 Milliarden Angehörigen ändert man nicht so auf die Schnelle…

    Antwort
    1. Heinz

      „große Vielfalt an theologischen bzw Glaubens-Strömungen und Lebensmodellen jenseits der jeweiligen päpstlichen Linie“
      „‚Initiative Kirche von unten‘, ‚Wir sind Kirche‘, wer es ganz krass will: ‚Netzwerk katholischer Lesben‘ (ja, das gibts 🙂 , ‚Priesterinnen.net‘)“
      hier hatte ich schon etwas dazu geschrieben:
      https://errollsblog.wordpress.com/2012/10/27/uber-das-verletzen-religioser-gefuhle/comment-page-1/#comment-23
      Das mit den verschiedenen Strömungen kannst du dir im weiteren Sinne so vorstellen, wie mit den unterschiedlichen Programmen in der Matrix.

      „kein Sektenguru im Rolls Royce“
      Klar der Rolls Royce steht ja auch in der Garage des Herrenhauses, während Bischöfe und Co. First Class ans andere Ende der Welt in den Urlaub fliegen.
      „ich weiß, wo die Kirchensteuern hingehen“
      Dann weißt du offenbar nicht, dass die Kirchensteuern lediglich der Gipfel des Eisbergs sind.

      „stattdessen soziale Infrastruktur satt.“
      S.h. Link oben

      „Leider geht das die Kirche viel zu zimperlich an aus Angst, “religiöse” Gefühle zu verletzen.“
      wenn du dir mal das Machtzentrum der Kirche(Vatikan) anschaust wirst du sehen, dass es umgekehrt ist.

      „Ich führe halt schon wieder die Haltung gegenüber Homosexualität als Beispiel an, weil sie gerade öffentlich so heftig diskutiert wird“
      …und weil der Papst gerade nochmal klar gestellt hat, dass das praktizieren homosexueller Vorlieben verwerflich ist?

      „ebenso hätte ich eine katholische Unterschriftenaktion für das Frauenpriestertum und gegen das Zölibat heraussuchen können“
      Und du glaubst wirklich, dass es auch nur im entferntesten möglich ist, dass die Unterschriftenaktionen, in einer undemokratischen Organisation wie der Kirche etwas bewegen?
      Die „Bewegungen“ von innen sind seit Jahrhunderten erfolglos, ihnen wurden lediglich Brotkrumen vorgeworfen, die die Kirche sowieso vom Teller wischen musste.

      Antwort
    2. Heinz

      „Das wird innerhalb der Diözese absolut offengelegt und siehe da: kein Sektenguru im Rolls Royce“
      Um nur mal einen Sektenguru zu zeigen, der zufälligerweise aufgeflogen ist.
      http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1984366/Sonnenkoenig-von-Limburg#/beitrag/video/1984366/Sonnenkoenig-von-Limburg
      Und das ist nur ein Bischof kein Kardinal oder dergleichen – bei den kann das dann noch anders aussehen s.h. Vatikan (da ändert auch der Renault von Franziskus nichts).
      Auch ja und beim Thema Tranzparenz fallen mir die vielen Missbrauchsfälle ein, die die Kirche nach wie vor vertuscht und bei uns (Danke CDUSPDGrüne) nichteinmal Strafe zahlen muss.

      Antwort
      1. errollbundelfeuerstein Autor

        Zum Thema Tebartz van Elst gebe ich dir absolut recht – da hat sich die Kirche ein schönes Ei ins Nest gelegt :-)! Erste Sanktionen gibt es ja bereits, mal sehen wie sehr die Amtskirche auf den total gerechtfertigten Aufschrei der Gläubigen (für mich ein gutes Beispiel mündigen Glaubens!) eingeht / damit umgeht – spannend…
        Zum Thema Mißbrauch: hier das Statement MEINER Diözese http://www.drs.de/index.php?id=22834 Man beachte vor allem den frühen Zeitpunkt (2002), zu dem Bischof Fürst (re)agierte, noch lange bevor das Thema in die Medien kam – also in Wahrnehmung eines Problems und aufgrund von Druck aus der Öffentlichkeit.
        In einer Diözese wie der Limburger würdest du mich unter dem demonstrierenden Kirchenvolk finden; hier drängt der Diözesanrat (ein ehrenamtliches Laienkomitee) die Amtskirche zu juristisch korrektem Handeln auch gegenüber den Tätern. Das wird in der Pressekonferenz nämlich etwas zu sehr unter den Tisch fallen gelassen – „Scham“ allein kann ja wohl nicht alles sein.

  5. errollbundelfeuerstein Autor

    Da kann ich nur auf meine Antwort hier verweisen…:
    https://errollsblog.wordpress.com/2012/10/27/uber-das-verletzen-religioser-gefuhle/
    … und das sehe ich als den Punkt an, wo wir wohl meinungsmäßig nicht mehr zusammenkommen werden, da ich aus der „Innenansicht“ heraus argumentiere und du offensichtlich von außen – ich denke, ich kann etwas bewirken, du bezweifelst das – nur die Zeit kann da einem von uns recht geben. Trotzdem, interessanter Austausch!

    Antwort

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