Fehlet Eana Fisch?

Es ist schon einige Zeit her, wir waren relativ neu im Dorf zugezogen, vielleicht wenn’s hochkommt grade mal 3 Monate.

Da klingelte es eines Tages an der Haustür, draußen stand ein älterer Herr im Blaumann, der wie folgt sprach: „Fehlet eana Fisch?“ 

BITTE? Ich konstruierte in meinem Hirm mühsam von tiefstem Schwabisch nach Hochdeutsch, da wiederholte er geduldig: „Fehlet eana Fisch?“

Okaaay, wir hatten schon Apfelverkäufer vom Bodensee an der Haustür, Bürstenbinder und was weiß ich – aber Fisch? War das einer von den Forellenzüchtern?

„Danke, wir brauchen keinen Fisch“ meinte ich, aber der Mann insistierte – so leicht wollte er sich nicht geschlagen geben: „Ha noi eana fehlet doch Fisch, der  C. hots mir uffm Friedhof gsait!“

Mit dämmerte: das musste auch ein – mir bis dato unbekannter – Dorfbewohner sein, und Herrn C, meinem Nachbarn, hatte ich erzählt, dass die Katze von Herrn F (auch ein Nachbar) leider in unserem Teich räuberte und nun (nach Zählung) schon den dritten Goldfisch stibitzt hatte. Natur eben…

„Ach so, stimmt, ich hab wieder einen Fisch weniger, den hat die Katze von F gefressen“ sagte ich also zu Herrn B (mittlerweile weiß ich, wie er heißt, obwohl er sich damals nicht vorstellte – im Dorf hat man sich doch zu kennen, oder?) – und jetzt…?

„Ihr Fisch is in meim Toich, kommet se und holen ’n!“ – – –13.gif

Ich schaute den Mann wahrscheinlich genau so an, wie ich über ihn dachte: Komplett verrückt geworden, der Typ! In meinem Kopf entstanden nebenher die wildesten Phantasien, wie der Fisch aus unserem Teich steigt, die Koffer gepackt, und irgendwo anders hin zum nächsten Teich spaziert, um sich dort wieder niederzulassen…

An dieser Stelle muss Herr B wohl gemerkt haben, dass ich etwas mehr input brauchte, um das Ganze nachvollziehen zu können, und das hörte sich dann so an: „Die Katz vom F holt immer moi Fisch ausm Toich, un i hab em scho so oft gsait, er soll nach dem Viech gugge. Letscht Woch bringt er mir im Oimer den Fisch und sait, sei Katz hot’n halblebig vor’d Haustür glegt. I hab den Fisch in moin Toich, awwer des wor net moiner, moi Fisch sähet annersch aus, die sen kloiner – un dann het der C mir uffm Friedhof gsait, dass Eane au Fisch fählet… I wohn am Kirchberg dobe, guggetse!“

Allerhand! Macht unser Goldfisch einfach ohne Bescheid zu sagen Urlaub in fremden Teichen, und wir denken seit einer Woche er sei ohnehin tot! In Gedanken hatten wir ihn schon beerdigt! 

Imponiert von dieser Sturheit der Natur erwiderte ich: “ Wissen Sie was, behalten Sie ihn doch, wir hatten ihn eh schon abgeschrieben“ (… und danke für die nette Story – made my day…)1.gif

Aber da war ich an den Falschen geraten! „Noi, Sie müsset en hole, nemmet se en Oimer und kommet se mit, i will en net, der is größer, der passt net zu moine!“

Da war wohl nichts auszurichten: mit einem Eimer stapften wir (Sohn, Tochter und ich) den Berg hoch, um in B’s Gartenteich unseren Globetrotter-Fisch einzufangen und wieder ins heimische Gewässer zu befördern. Zur Erinnerung an seinen „Katzentransportservice“ hatte er eine sichtbare Bisswunde an der Seite davongetragen, die ihn nicht zu beeinträchtigen schien, aber für uns unverwechselbar machte.

Und ich, ich hatte einen neuen (Nichtganznah)nachbarn kennengelernt und brauchte nebenbei ziemlich lange, um diese Geschichte ohne Lachflash irgend jemandem zu erzählen…

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