Hintergedanken zum vorpost „Max und Moritz“

Nö, das böse Computerspielen ist nicht an allem schuld.

Wenn ich höre, was Angehörige der Nachkriegsgeneration (jetzt in Ehren ergraut) damals als Kind für Blödsinn gemacht haben, kommt darin auch mal gefundene, noch funktionierende Munition vor, die natürlich dringend ausprobiert werden musste – was vom „Schwarzpulverstreich“ gegen Lehrer Lämpel gar nicht so weit entfernt war…
Damals wie heute gab es dabei Unterschiede zwischen Spitzbübereien, über die man lachen konnte, bodenlosen Dummheiten und – (hoffentlich) als ein ganz kleiner „Bodensatz“ – wirklich gefährlich gegen andere gerichtete „Streiche“.

Aber sicher gab es damals auch schon – und auch noch früher, zu Buschs Zeiten, „deprivierte“ Kinder und Jugendliche…

Ein Unterschied war vielleicht, dass „Dummheiten“ zumindest in der dörflichen Umgebung sehr viel direkter geahndet wurde über soziale Kontrolle (siehe das Original „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch), und auch wenn keine Kinder gemahlen wurden, waren die Konsequenzen sicher nicht zimperlich…

Ich halte die Streiche von Max und Moritz schon für „von der damaligen Wirklichkeit“ abgeschaut (na ja, leicht verfremdet aus „Comic“ Gründen) – und witzig waren sie auch nur für die LESER:

„Bildlich siehst du jetzt die Possen,
Die in Wirklichkeit verdrossen,
Mit behaglichem Gekicher,
Weil du selbst vor ihnen sicher.“ (Wilhelm Busch)

Wir haben es zu tun mit wiederholter Sachbeschädigung und Diebstahl (die Hühner der Witwe Bolte, die Brezeln beim Bäcker, die Säcke beim Müller), Mobbing und Körperverletzung (Schneider Bökh und Lehrer Lämpel). Mich verblüfft vor allem die Sache mit den Maltersäcken, denn so doll war die Ernährungslage damals auch nicht – die Jungs vernichten also aus purer Langeweile ihre eigene Existenzgrundlage. Irgendwie kommt mir das bekannt vor… Heute wären die Knaben sicher vor dem Jugendrichter gelandet.

Na ja, die Leute sind immer noch die gleichen wie damals, und wenn Kevin und Hüseyin am Ende mit einem geklauten Auto an einem Baum kleben geblieben wären, würde es sicher immer noch bei manchen heißen:

„Als man dies im Dorf erfuhr, war von Trauer keine Spur“

… nicht dass man sich das wünschen würde, oder dass es irgendein Problem lösen würde, aber auch dieses Ende ist – wie die anderen „Streiche“, auf realen Erfahrungen gegründet.

Zum Schluss noch eins: EINEN Streich finde ich wirklich klasse – der ist kreativ, witzig und für mich voll in Ordnung – und das ist der Fünfte:
http://www.wilhelm-busch-seiten.de/werke/maxundmoritz/streich5.html

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