Kindheit

… ist ein Konstrukt.

…ist ein Konstrukt?

Ein kurzer „Überflug“:

An Bildern aus der Renaissance kann man sehen, dass Kinder damals betrachtet und behandelt wurden wie kleine Erwachsene:

 

Während die Oberschicht hier genau so gekleidet und abgebildet wird wie die „Großen“ (immerhin mit Puppe), waren die Kinder der unteren Schichten, so bald es möglich war, Arbeitskräfte – wie die Großen. Die Idee, dass Kinder vor irgend etwas beschützt oder bewahrt werden müssten, gab es nicht. Sie wohnten z.B. Hinrichtungen bei (und wurden auch mal zum Tod verurteilt)… Auch das „normale“ Sterben von Familienangehörigen fand vor den Augen der Kinder in der eigenen Wohnung statt und da der Wohnraum in der Regel beengt war, war die Sexualität der Eltern kein Tabu, das lange zu halten gewesen wäre – wenn man nur EIN warmes Zimmer hat… Zur Puppe: Spielzeug – wenn überhaupt vorhanden – war (Übungs-)mittel zum Zweck (hier: später eine kompetente  Mutter zu werden).

Erst Jean Jacques Rousseau galt Mitte des 18. Jahrhunderts als der „Entdecker der Kindheit“ als besonderer Phase im Leben, in der die (kleinen) Menschen andere Bedürfnisse, einen anderen Verständnishorizont und andere Erlebniswelten haben und daher auch anders behandelt werden sollten als erwachsene Menschen. Daraus entwickelten sich unzählige pädagogische Richtungen, die Spielzeugindustrie, die Kindermode, aber auch Kinderrechte und Tabus (Sexualität, Tod, Geburt und Gewalt) für Kinder.

Konzepte, die freilich wieder nicht alle Gesellschaftsschichten erreichten und nicht verhinderten, dass Kinder der Unterschicht auf übelste Weise als Arbeitskräfte ausgebeutet wurden.

1983 schließlich brachte Neil Postman sein Buch heraus „Das Verschwinden der Kindheit“. Eine weitere Revolution des Kindheitsbegriffes hatte unmerklich stattgefunden: vor allem durch Massenmedien wurden Tabus für Kinder immer mehr aufgeweicht: Fernsehen und internet machen jede Form von Sexualität und Gewalt für Kinder frei zugänglich. Kinder kleiden sich wieder wie Erwachsene, die Erwachsenenmode spielt dafür mit Klischees von „kindlicher“ Kleidung. Kinder sind als Konsumenten eine nicht zu unterschätzende Zielgruppe (d.h. verfügen auch über eigenes Geld) und werden mit den gleichen Mitteln umworben wie die Großen. Dafür sind Kinder auch mehr und mehr wieder zu „Leistungsverpflichteten“ geworden (G 8 Abi, Ganztagsschulen…) mit einem Arbeitstag, der den mancher Erwachsenen übertrifft. Das „romantische“ Konstrukt der „Familie“ ist abgeschafft, Kinderhorte boomen.

So viel zur Lage…

… die mich gesteigert ratlos macht. Angesichts der Realität, die uns einfach „überrollt“ hat, sollten wir mal überdenken (statt nur zu reagieren)

Wie viel Kindheit braucht ein Kind?

Was bedeutet es, Kinder ERNST zu nehmen?

Wie viel „Mutter“ braucht ein Kind und in welcher Form?

Vor was sollten Kinder bewahrt werden und über was sollten sie wann Bescheid wissen bzw. damit umgehen?

Wie viel „Pflichten“ sind angemessen, wie viel „Spiel“ ist angebracht, wichtig und entwicklungsfördernd?

Wann ist ein Kind überbehütet, wann überfordert?

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