Über Resilienz

 In der Psychologie bezeichnet der Begriff Resilienz die Widerstandsfähigkeit einer Person gegen „krankmachende“ bzw. persönlichkeitsschwächende oder – schädigende Außenbedingungen.

Offizielle wikipedia-Definition: „die Fähigkeit, Krisen durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.“

Während meines Studiums vor über 20 Jahren war der Begriff (jedenfalls hier in Deutschland, jedenfalls in meiner Sparte) noch brandneu und die Forschung dementsprechend in den Kinderschuhen. Wir bekamen in Soziologie und Psychologie lediglich die statistischen Gesetzmäßigkeiten vermittelt, was für eine Zukunft Kinder erwartet, die vernachlässigt, missbraucht, in prekären Verhältnissen, in der Nähe von Drogenkonsum, Gewalt ausgesetzt, ohne Bildungsanreize, mit wenig (An)Sprache, aber reizüberflutet durch die Medien… aufwachsen. In dem Fall ist die ganze Kindheit (!) die „Krise“, die gemeistert werden muss… Es wurde viel über Defizite nachgedacht – bis man entdeckte, dass es durchaus Kinder gab, die nach solchen Kindheitsbedingungen zu glücklichen, leistungsfähigen, sozialkompetenten Menschen in der Mitte der Gesellschaft heranwachsen.

Das war ein Ansatz für mich, denn während das Herumdenken über das, was diesen Kindern alles fehlt und wie man diese „Schlag-Löcher“ (manchmal wörtlich) im Lebens-Weg stopfen könnte, zutiefst frustrierend ist, bin ich ein großer Anhänger von Geschichten mit Happy End – und genau solche „Märchen“ sollten im realen Leben möglich sein, sprich: komplettes Anlegen einer neuen Trasse statt Schlaglochflicken?

Man begann in den Folgejahren zu untersuchen, was denn dazu geführt hatte, dass für diese Kinder ein „geglücktes Leben“ (oder ein geglückter Start dorthin, denn Leben bleibt ja immer ein Prozess) möglich wurde und als „Resilienzfaktoren“ zu sammeln. Woher nahmen die Kinder die (s. wiki) „Ressourcen“, eine solche Kindheit „schadlos“ zu überstehen? Was in ihrem Leben gab ihnen eine solche innere Stärke? Die Antworten auf diese Fragen sind sehr spannend, viel zu komplex für EINEN Post (wen’s interessiert: gidf!) und immer noch in Forschung begriffen.

In meinen letzten 20 Berufsjahren gab’s jedenfalls zwar – das ist Alltag – jede Menge Schlaglochflickereien, was mich aber nie aufhören ließ, „zu den Sternen zu greifen“. Einige kleine und große Resilienzwunder durfte ich begleiten und miterleben (und mir vielleicht ein BISSCHEN einbilden, dass ich vielleicht einer der Resilienzfaktoren war?) und bewundere die zutiefst, die es als Erwachsene „geschafft“ haben – seien sie jetzt 19 (das ist der Jüngste, den ich kenne) oder 33 Jahre alt (das ist die Älteste, deren Weg ich mitverfolgen durfte).

Sie erinnern mich alle an Timm Thaler aus dem Buch von James Krüss, dessen Lachen für den Teufel deshalb so begehrenswert war, weil Timm es durch alle Schicksalsschläge und Krisen gerettet hatte und es nun (laut Buch) wertvoll und unzerstörbar wie ein Diamant geworden war.  

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s