Wie man die Welt verbessert

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Sie grübeln darüber, was Liebe ist, ob man zuerst sich selbst oder doch den anderen lieben soll, sie suchen nach dem Sinn des Lebens und ihrem Glück, sie wollen die Welt verbessern aber bitte sofort! und komplett!, sie diskutieren über soziale Gerechtigkeit und den Umgang mit Hartz 4 Empfängern und sie sind sich nicht sicher, ob es Gut und Böse überhaupt gibt…

Nachdem ich mich eine Weile lang in  „Weltunzufriedenen-Foren“ im net umgeschaut habe, kann ich mit diesem Bild gut illustrieren, warum ich einigen Zynikern und Weltverbesserern dort am liebsten ständig in den Hintern treten möchte.

„Und was soll das bringen?“ höre ich sie fragen – „die Welt wird dadurch auch nicht besser, Obdachlosigkeit wird a) zementiert (denn da ist ja einer, der kostenlos einfach was tut – warum sollten also Hilfsstrukturen geschaffen werden?) und b) geschickt unter den Tisch gekehrt, denn frisierte Obdachlose sind als solche nicht mehr so leicht zu erkennen, prangern also nicht mehr so offen an, dass etwas schiefläuft. Außerdem wird den Obdachlosen der Impuls zur Selbsthilfe genommen, denn sie kriegen ja etwas, ganz einfach so, ohne Anstrengung.“

„Und von der Seite des Friseurs her“ (höre ich sie sagen): „Ganz offensichtlich tut er das NICHT aus purer Nächstenliebe, er zieht ja eine enorme Befriedigung daraus, wie populär er ist!“

Die „Wissenschaftlichsten“ von ihnen führen das Ganze (da der Mensch bestimmt ist durch seine chemischen und hormonellen Determinanten) zurück auf die evolutionär angelegte gegenseitige Fellpflege bei Säugetieren, die so nun mal gedacht ist. Von wegen Selbstbestimmung.

DAS ist für mich vom Wesen her Fundamentalismus – auf den ersten Blick ein weinerlicher, kindischer Blick auf die Welt, die nicht so ist, wie man sie gerne hätte („Alle Menschen sind schlecht! Ich will aber, dass alles gut ist! MAN sollte etwas tun!“). Da alle menschlichen Anstrengungen, egal ob indiviuell oder im Rahmen von Organisationen unzureichend sind, eben weil sie menschlich sind, wird überall ein Haar in der Suppe gefunden, alles ist nicht gut genug und hat auch seine Nachteile – also kritisiert und verwirft man es. 

Ohnehin wird der Mensch an sich als defizitär betrachtet; einige meinen genau zu wissen, was der Menschheit gut täte (wohlgemerkt „der MenschHEIT“, nicht den Menschen, die sie aus dem Blick verloren haben), andere halten den Menschen überhaupt für ein überholtes Modell und meinen, die Erde wäre besser dran ohne uns.

Auf den zweiten Blick aber ist diese Art von Fundamentalismus (die leider nicht durch Bildung und Aufklärung beendet werden kann, denn es handelt sich durchaus um analytisch denkende intelligente (?) Menschen) der Nährboden für Terrorismus. Der Blick für Menschen ist verloren gegangen, es werden nur noch Strukturen gesehen, und die sollen radikalst und schnellstens geändert werden! Am besten so, wie es der EIGENEN Ideologie entspricht!

Insofern müsste man froh sein über jeden Fundamentalisten, der beim „man sollte…“ und „es müsste…“ bleibt, denn wehe, wenn der Frust so groß wird, dass es zum „ich werde jetzt…“ kommt!

Frust, Unzufriedenheit und das Gefühl der Hilflosigkeit sind der Nährboden für eine solche Einstellung. Diese Menschen gleichen (gesellschaftsstrukturellen) Messies, die das Chaos auf der Welt (is ja echt so4.gif) sehen und zutiefst gelähmt sind, weil sie nicht alles auf einmal aufräumen können – es bleiben die Optionen, im Mief hocken zu bleiben oder alles in die Luft zu sprengen…

Für mich ist die geniale Botschaft des barbers auf dem Bild:

Versuche NICHT, die WELT zu verbessern. Weder kannst du es (die Verantwortung wäre sowieso viel zu groß für dich!) noch brauchst du dich irgendwie verpflichtet dazu zu fühlen. Du hast KEINE Mission für die Menschheit – also missioniere nicht.

Finde heraus, wer du selbst bist, was du gut kannst, was dir liegt und Freude bereitet (es muss nicht Haare schneiden sein4.gif), finde also heraus, wie du „gedacht bist“. Mit diesen Gaben sollst du andere Menschen beschenken – mehr nicht. Finde mit den Augen die Tür, DEINE Tür, statt mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Du wirst anderen Menschen mit anderen Gaben begegnen – so ist jeder für ein kleines Stück Welt in verschiedener Weise verantwortlich.

Frust, Unzufriedenheit, Streitsucht,… sind die „Früchte“ der Weltverbesserer –

und die des Barbers? etwas mehr menschliche Wärme, Zuwendung für die, die es nötig brauchen, optische Verbesserung 4.gif, ein Zugewinn an Respekt und Menschenwürde – das lässt Raum nach oben offen für weiteres… Aber zudem wurde etwas „hergestellt“, über das ebenfalls in einem eigenen Forum gerätselt wird: Glück.

In diesem Sinne: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

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2 Gedanken zu „Wie man die Welt verbessert

  1. stefanolix

    Es ist lange her, aber zu den letzten Sätzen hätte ich noch eine Ergänzung: Es sollte eine Tätigkeit sein, die wirklich gebraucht wird. Entscheidend ist der Nutzen für andere, nicht der Nutzen für mich.

    Entscheidend ist trotz aller Einwände die Chance, dass einer von zehn oder einer von zwanzig Obdachlosen durch solche oder ähnliche Angebote wieder einen Job bekommt, dann ein kleines Zimmer, dann eine kleine Wohnung … Ohne das Haareschneiden hätte es niemand von ihnen geschafft.

    Antwort

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