Rechtsanspruch auf Kita-Plätze – ein kinderärztlicher Einwurf

Was mir besonders am Herzen liegt und auch meine persönliche Erfahrung ist, habe ich fett gekennzeichnet. Möglicherweise folgt demnächst ein biographisch nahtlos anknüpfender blog von mir dazu, wie es mit diesen Kindern in der Schule weitergeht… 🙂

 

Ab 1.8. gilt der rechtliche Anspruch auf einen Kita-Platz auch ab dem 1.Lebensjahr (für 3jährige gab es diesen Anspruch bereits seit 1996 – hat auch nichts genützt). Wie wollen die Kommunen das erreichen?
– Anwerbung von ungelerntem Personal?
– Anwerbung von Fachpersonal aus anderen Ländern?
– Aufstockung der Gruppengrößen zu Ungunsten des Betreuungsschlüssels?
– Erhöhung der Kindergartengebühren, um das alles zu bezahlen?
– Bildung eines “Klage”-fonds, um die kommenden Gerichtsverfahren zu bestreiten?
– whatelse …

 

Mir ist das persönlich alles recht egal – die Kinder sind in der Schule, mit dem Nachwuchs wirds wohl erstmal nichts mehr; Aber kinderärztlich treibt mich die Sorge um, dass insbesondere der dritte Punkt zu enormen Problemen in der Entwicklung der Kinder führt.
Bereits in den letzten Jahren hat die Einführung der offenen Gruppen (diskutieren wir erstmal nicht num die pädagogische Wertigkeit dieses Projektes) zur quantitativen Verbesserung der Betreuung (es werden weniger Erzieherinnen gebraucht, als wenn man geschlossene Kleingruppen führt) die katastrophale Wirkung gehabt, das vielen Kindern die Orientierung im Kindergarten verloren ging. Sozial kompetente Kleinkinder mit guter Kontaktaufnahme, die Rampensäue und Hansdampfe, hatten mit all dem kein Problem. Die Verschüchterten, Regressiven, die lieber noch am Rockzipfel der Mutter durch die Kindergartentüre gehen, leiden sehr wohl am hochfrequenten Wechsel der “Bezugserzieherinnen” und der Orientierungslosigkeit in manchen Großraumprojekten. Und die zukünftigen ADSler, die eh unter der Reizüberflutung des Alltags leiden, können sich in offenen Gruppen gar nicht mehr erden, sondern driften von einer (fehlenden) Anregung zur nächsten.

 

Und nun womöglich auch noch für die U3-Kinder? Herr, laß Vernunft walten. Nach einhelliger Meinung aller Experten der frühkindlichen Entwicklung ist ein Stellenschlüssel von 1:3 unabdingbar – es zähle mal jeder selbst in der eigenen Kita und Kindergarten nach. Und berücksichtige nicht nur die Papierform, sondern auch die Realitäten, wenn wieder mal eine Erzieherinnen mit Konjunktivitis, Masern, Burnout Durchfall zu Hause bleibt.

 

Meine eigene retrospektive Befragung bei ADS-Verdacht: Die Inzidenz steigt mit der Betreuungsform und dem schlechteren Personalschlüssel in der Vorschule. Mich nicht falsch verstehen: Ich habe kein Problem damit, wenn Kinder früh in die Fremdbetreuung gehen, weil die Eltern arbeiten gehen müssen, aber es muss qualitativ stimmig sein – der Rechtsanspruch mag zwar Druck auf die Kommunen ausüben, aber die Folgen sind noch gar nicht abzusehen, wenn nur Kindergärten gebaut und Haken mit bunten Bildchen an die Wand geschraubt werden, um neue Plätze zu schaffen, aber kein entsprechendes Personal eingestellt wird.

 

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