Sexualerziehung – wie denn nun? Teil 2

TEIL 2 – die Großen

> Hat man bei den Kleinen Wert darauf gelegt, dass sie sich selbst und ihre Bedürfnisse wahrnehmen, sich wertschätzen, ihren Körper akzeptieren und Grenzen für andere zu ziehen, KANN Sexualerziehung bei Jugendlichen dann gar keine Erziehung hin zu irgendeiner gewünschten sexuellen Norm-Identität sein, die von außen vorgegeben ist (laut Stängle-Petition: hetero ftw! 39.gif) – damit kann man nur das Leben von Menschen gigantisch verpfuschen.

Was kann und muss denn dann sein?

Geschlechtserziehung ist IMHO nicht Erziehung zu einer sexuellen Ausrichtung, sondern Erziehung zu verantwortungsbewusstem SexualVERHALTEN.

Dabei zählen für mich bei Jugendlichen folgende Prinzipien:

> Gesellschaftlich und ethisch relevant – und somit Thema von Erziehung – ist sexuelles Handeln erst dann, wenn mehr als eine Person daran beteiligt ist. Was einen alleine geil macht und was man dann ALLEINE tut oder lässt – Wayne juckts?

> Sexuelles Handeln an und mit einem Gegenüber bedeutet Übernahme von Verantwortung gegenüber dieser Person – für ihre Gesundheit, ihre Gefühle, ihre Unversehrtheit – so, wie man auch für seinen eigenen Körper (und die eigene Gefühlswelt) verantwortlich ist.

Es fügt immer dann Leid zu (und ist folglich „nicht ok“ bis hin zu strafbar) wenn es nicht auf Augenhöhe (also partnerschaftlich) stattfindet, sondern wenn einer der „Partner“ nicht gefragt, sondern benutzt (und womöglich noch „weggeworfen“) wird. Das gilt für Pädophilie genauso so wie für Sodomie, auch für Kinderpornographie. Die sexuelle Liebe zwischen zwei mündigen und in ihrer Entscheidung freien Menschen (frei auch im Sinne von „in keinem Abhängigkeitsverhältnis“, z.B. beruflich oder finanziell), die sich zueinander hingezogen fühlen, ist dagegen im Idealfall ein „Sich gegenseitig beschenken“ – für mich nicht ersichtlich, wie dieser Tatbestand irgend jemandem schaden und damit strafbar sein sollte, wenn es sich dabei zufällig um gleichgeschlechtliche, transsexuelle usw… Personen handelt.

 

> Sexuelles Handeln erfordert unbedingtes Vertrauen zueinander, da man sich in hohem Maße körperlich öffnet und preisgibt – was heißt, der Idealfall für sexuelles Handeln ist Sex innerhalb einer partnerschaftlichen, vertrauensvollen, gewachsenen Beziehung. („Dann geh halt zu ner Nutte“ ist ein Konzept, das ich Jugendlichen niemals empfehlen würde, da eine Dimension von Sexualität, nämlich Intimität in ihrer eigentlichen Bedeutung, hier ziemlich ausgeblendet ist, geschweige von der gesellschaftlichen Problematik, die dahintersteckt). 

 

Die in der Petition von Herrn Stängle düster an die Wand gemalten Gefahren von psychischen und Geschlechtskrankheiten betreffen demnach nicht Menschen einer speziellen sexuellen Ausrichtung / Identität, sondern ergeben sich aus riskantem SexualVERHALTEN: 

 

– Egal ob Homo, Hetero oder sonstwie, man muss sich darüber im Klaren sein, dass Promiskuität ein höheres Risiko birgt als eine treue monogame Beziehung.

 

– Sexuelles Handeln, das nicht aus Begehren und Hingabe heraus geschieht, sondern aus Gruppenzwang (bin immer noch bei Jugendlichen!), aus Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen, aus dem Gefühl heraus, einem anderen einen Gefallen tun zu müssen oder ihn damit halten zu wollen, aus dem Gedanken heraus, dass „das erste Mal jetzt sein muss, damit man kein looser ist“, auch aus Aggression heraus, kann alles nicht gesund sein – daher ist es ja schon bei den Kleinen wichtig, dass sie lernen, selbstbewusst zu sich zu stehen: jetzt, eine Nummer größer, IHRE Lust zu erkennen und IHRE Grenzen zu ziehen- nun kommt noch die Dimension des verantwortlichen Handelns gegenüber dem anderen dazu. Das große Ganze dann nennt sich wohl „Beziehungsfähigkeit“.

 

Von der BZgA gibt es übrigens ganz ausgezeichnetes Material für Jugendliche zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von unterschiedlichem Sexualverhalten und Tipps zur Vermeidung von „Pannen“ in dieser Hinsicht, die das Thema Homosexualität nicht aussparen, im Gegenteil thematisieren, dass auch bei heterosexuellen Jugendlichen homosexuelle Episoden während der Pubertät ganz natürlich sind und noch nichts über die endgültige sexuelle Ausrichtung aussagen (wusstet ihrs?4.gif Damit ist auch die extreme Homophobie vieler 15+ jährigen erklärt, die selber gerade am „Schwimmen“ und Suchen ihrer eigenen Identität sind). He, alles ganz normal! Und auf was man dann wirklich steht, kristallisiert sich dann schon raus 1.gif.

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Witzig, informativ und gar nicht peinlich (wenn auch hier exklusiv für Heteros) ist auch

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… was im Widerspruch zum Titel über Empfängnisverhütung weit hinausgeht, sondern beginnt mit „Ist meiner groß genug?“ „Die richtige Zeit“ „Der richtige Ort“ – alles, was man als Anfänger halt so brauchen kann…

 

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