Litfaßsäule

Ich war eineinhalb Jahre alt – das Alter, in dem man erste Worte sprechen lernt – und ließ mich von meiner Großmutter im Kinderwagen umherkutschieren. In regelmäßigen Abständen deutete ich auf verschiedene Dinge, die mir interessant vorkamen und fragte: „Des? Is?“

(Genau so habe ich es später auch bei meinen Kindern erlebt, daher kann ich diesen Teil der Anekdote über mich, an die ich mich selbst natürlich nicht erinnern kann, extrem gut nachvollziehen)

Einmal lautete die Antwort der Oma auf meine Frage: „Das ist eine Litfaßsäule.“

Es ist überliefert, dass ich den Rest des Weges nur noch in tiefer Faszination dieses eine Wort vor mich hin sagte, sang, brabbelte und ihm hinterherlauschte (aber mal ehrlich, das ist doch auch ein wunderschön vielfältiger Zusammenklang von Vokalen und Konsonanten – sagt es mal bewusst vor euch hin!)

Ich liebe Wörter. Sie können mich mit ihrem Klang kitzeln, anrühren, zum Staunen bringen…. Ich liebe es, mit ihnen zu spielen. Ich mag flache Wortwitze, was mir in der Familie schon einen gewissen Ruf eingebracht hat… – in welcher Sprache, ist dabei ganz egal…

(Vorsicht Verwechslungsgefahr!):

 

Ich mag Jandl, Dr. Seuss, Ringelnatz und Morgenstern. Allein die Namen sagen schon alles!

In diesem Sinne (und nein, dies ist ausnahmsweise von keinem der oben Genannten, sondern von Hans Adolf Halbey):

Kleine Turnübung

Aufgezwackt und hingemotzt 

angezwickt und abgestotzt

jetzt die Kipfe auf die Bliesen

langsam butzen, tapfen, schniesen

dreimal schwupf dich, knitz dich, lüpf

siehstewoll – da flatzt der Büpf.

1.gif

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Ein Gedanke zu „Litfaßsäule

  1. Sandra

    Ha, das kenn ich auch! Bei mir war’s nicht die Litfaßsäule, sondern die Zwölf, die mich so faszinierte. Ich konnte mir beileibe nicht vorstellen, wie man diesen (für meine damaligen Ohren) zauberhaften Klang in Buchstaben abbilden können sollte und war schon gespannt darauf, wie das dann aussehen mag, wenn ich (das war wohl noch vor der Einschulung) es dann lerne. Etwas enttäuscht war ich dann schon (wie wenn man einen Zaubertrick erklärt bekommt), aber die Zwölf ist und bleibt seither meine Lieblingszahl, und das eben gar nicht so sehr wegen der Zahl, sondern des Wortes. 🙂

    Antwort

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