The next generation

Lehrer sein ist eigentlich wie Gärtner. Also Landschaftsgärtner, nicht die, die ein Gemüsebeet anlegen, um im gleichen Sommer noch zu ernten. Was wächst und gedeiht, sieht man oft immer erst nach Jahren, manchmal Jahrzehnten. Es liegt auch absolut nicht in der eigenen Hand, WAS da nun draus wird. Man hat eine Intention, kann „düngen und gießen“ – trotzdem: et kütt wat kütt. Und wenn man lange genug an ein und derselben Schule ist, bekommt man es öfter einmal mit der nächsten Generation zu tun – ein deja vu auf beiden Seiten!

Hier ein paar Beispiele nach über 25 Jahren lehrerlicher Sesshaftigkeit:

Bei der Info zur Geschlechtserziehung am Elternabend

„Das brauchen Sie nicht zu erklären, das haben Sie bei uns damals auch schon gemacht, das weiß ich noch! (gewandt zu den anderen Eltern Ist alles total ok, was Frau M. macht!“

„Genau so“:

Gedanken beim Erhalt der Klassenliste zu Beginn des Schuljahrs: Den seltenen Nachnamen kenn ich. Das MUSS die Tochter von dem Lauser sein, den ich damals vor 25 Jahren in der 5ten hatte… Mal schauen, ob ich die erkenne… Ich freu mich, denn Generation 1 (nun Papa) trug auf unterhaltsame Weise belebend zum Schulalltag bei.4.gif

am ersten Schultag: 1.gif Ja, erkannt auf den ersten Blick – optisch wie geklont, nur in weiblich! Sie staunt, dass ich gleich weiß, wer sie ist, ohne sie jemals gesehen zu haben… Innerlich, so stellt sich heraus, ist sie die perfekte Zweitausgabe ihres Papas: aufgeweckt, neugierig, pfiffig, und bringt mich oft zum Schmunzeln. Sie erzählt nicht nur von ihrem Papa, sondern will auch von mir wissen: „Wie war er denn so? Aber ehrlich!4.gif“ Nach etwas Suchen finde ich sogar (ehem, ich bin ein furchtbarer Sammler 9.gif) noch ein Briefchen von ihm – mit Herzchen drauf…

„Ganz anders“

Boah, dieses Mädel raubte mir vor über 20 Jahren in der 8. und 9. Klasse den letzten Nerv mit ihrer großen Klappe! Nun ist ihr Sohn bei mir in der Klasse. Still, schüchtern, zuvorkommend, ein wahrer Gentleman. Die freche Mutter („Gell wir waren damals schlimm?“) ist dagegen eine patente und engagierte Elternvertreterin, wie man sie sich nur wünschen kann1.gif.

Hmpfruuuuust

Noch so einer, der gerne einmal quergetrieben hat, diesmal männlich, kommt in die erste Klasse als stolzer Vater, Sohnemann an der Hand.  „Das ist die Frau M.,  und du folgst der, verstanden?“ An mich gewandt, generös: „Frau M., wenn der irgend einen Blödsinn macht, dann wenden Sie sich getrost an mich! Das geht in unserer Familie nämlich gar nicht!“ 15.gif Jaaa… bei passender Gelegenheit, wenn er mal etwas größer ist, werd ich ihm stecken, dass sein Papa auch nicht immer der Engel war, als der er sich gibt…  (soll ich?)

Was trägt und hält

Auf der Straße spricht mich eine Frau Anfang 30 an: „Kennen Sie mich noch?“ Ich suche das Kind in den erwachsenen Gesichtszügen, erkenne wieder – „Ah ja! Sie sind doch die Gabi!“ „Frau M, ich wollte mich einfach nochmal für damals bedanken. Ohne Sie wär ich jetzt nicht da, wo ich nun bin! – Danke!“

Das hat mich umgehauen. Und trägt mich seitdem über alle Tiefen des Lehrerlebens.  Und obwohl ich (natürlich) nicht von jedem Exschüler etwas behalte – substantiell oder auch in der Erinnerung – von diesem Mädchen (mit etwas komplizierter Hintergrundgeschichte) ziert seit 25 Jahren ihre kleine, schiefe und krumme selbstgetöpferte Eule (ja, ich weiß, ästhetisch ist sie nicht der Burner) meinen Schreibtisch. Aus Gründen.

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Ein Gedanke zu „The next generation

  1. pimalrquadrat

    Schön, dass das Lehrerdasein hin und wieder auch solche Früchte trägt! Ich find solche Geschichten auch immer ganz spannend, wenn dann Lehrer mehrere Generationen begleiten. Und auch die Kinder können da noch was über ihre Elternlernen. :mrgreen:

    An meiner Schule ging es soweit, dass eine ehemalige Schülerin dann dort als Lehrerin arbeitet – und manche ihrer Kolegen haben sie noch unterrichtet. 😀

    Antwort

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