Fehlversuch – nächster bitte

Ehrlich, ich könnt kotzen. Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann sich die ersten Fachveröffentlichungen für Grundschule an das Thema „sexuelle Diversität“ heranwagen. So geschehen in diesem Heft

http://www.praxisgrundschule.de/heft/65150400/Ausgabe-Juli-Heft-4-2015-Liebe-Lust-und-Kinderkriegen

Neben dem eigentlichen breit behandelten Thema s.o., das immer noch (so suggeriert es das Heft) mit gaaaanz vielen verbalen und Herangehensweisenproblemen unter Lehrern behaftet zu sein scheint (ehrlich? also kommt Leute! So ein verklemmtes Häufchen können Lehrer doch nicht sein, oder?) nun also „Reden über Diversität“.

Allein das Aufmacherbild ärgert mich schon, ohne auch nur ein Wort gelesen zu haben. Es geht so ungefähr in diese Richtung:

6168470066560575038.jpg

Leute, kann das euer Ernst sein?

Das ist in etwa so, wie wenn man „die Jugend von heute“ zum Thema hätte und dann in etwa so ein Bild zeigt:

5744149703911513146.jpg Genau, DAS ist die Jugend von heute!

Wirklich?

Nein, in beiden Fällen zeigt es einen kleinen, optisch und u. U. auch lebenskonzeptmäßig relativ radikalen Ausschnitt der gemeinten Gruppe (und gehören Drag Queens überhaupt zu der Regenbogenfamiliengruppe, oder sind es einfach nur Travestiekünstler?) – in keinem Fall bildet es aber die Wirklichkeit ab.

Im Gegenteil, es signalisiert: (und so tut es auch der Artikel im Heft)

Haha, wie originell, da gibt es welche, die sind anders und nun ja, die haben auch Rechte, also lasst sie mal…

Mir kommt es so vor, als ob da unberufene Menschen, die im Leben noch nie gleichgeschlechtlich Liebende live getroffen haben, sich krampfhaft etwas dazu aus den Rippen leiern mussten und dabei über sämtliche Klischees gestolpert sind, die sie im Kopf haben. Klar, es gibt diese Regenbogen – „Szene“, aber die meisten Homo-Paare sind stinknormale Ottonormalverbraucher, die dankbar sind, eben endlich mal NICHT als „anders“ wahrgenommen zu werden, sondern einfach so, wie sie sind – ohne irgendwie performancemäßig auf den Putz zu hauen. Oder wie viele heterosexuellen Paare müssen ihre Neigung demonstrativ und öffentlich zelebrieren? Nu ja, doch einige, einmal im Jahr, an Fasching. Eben. Diesen CSD Fasching als Alltagswirklichkeit und Lebenslabel zu zeigen, halte ich für voll daneben.

Es handelt sich um keine Aliens, sondern um ganz normale Leute. Bei uns. Meistens lieben Männer Frauen und Frauen Männer, manchmal lieben aber halt auch Frauen Frauen oder Männer Männer. So what. Und ach übrigens: Wildes Geknutsche ist kein Gradanzeiger für Liebe, bei wem auch immer. Sondern ein Gradanzeiger von Verliebtheits-Irrsinn. Vielleicht auch ein Gradanzeiger, wie sehr man Aufmerksamkeit bedarf. Oder Provokation.  Kennt ihr, oder? 4.gif (Also jetzt nicht wildes Geknutsche, sondern wildes Gekaspere, damit Lehrer / Klassenkameraden / Eltern auf euch aufmerksam werden) Hoffentlich hat man dann aber auch etwas zu sagen, wenn alle aufmerksam geworden sind! Und jeden Tag kann man’s auch nicht brauchen…

Liebe, ja die ist leiser, die wird nicht nach außen getragen. Man erkennt sie an Treue und Zugewandtheit, daran, dass zwei Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und ganz selbstverständlich füreinander da sind. Das ist auch mal Arbeit und hat mit Gekaspere nichts zu tun. Die Homosexuellen haben das jahrhundertelang im Geheimen getan, jetzt sollten sie das auch ohne CSD-Gekaspere öffentlich tun dürfen. Wie meine über 60 Jahre alte Kollegin, zeitlebens Frau der Rektorin aus dem Nachbarort war – und keiner durfte drüber reden. Ein ganzes  Leben lang. Das ist traurig.

PS Die Kollegin hält, generationsbedingt, den CSD für absolut geschmacklos… Und über sie soll jetzt diese „Fachveröffentlichung“ sein?

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2 Gedanken zu „Fehlversuch – nächster bitte

  1. pimalrquadrat

    Du hast so recht! Und es ist doch ein Armutszeugnis, das Menschen mit so einem Weltbild – und einer offensichtlichen Unfähigkeit, sich zu informieren – für die Bildung der Schüler zuständig sind.

    Antwort

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