Just my 2 cents zur hotpantsdebatte

Ich denke, es geht NICHT um sexuelle Povokation durch Kleidung, auch nicht um die Beschneidung von Frauenrechten und ebensowenig um Unterschreiten der Grenze guten Geschmacks durch den unschönen Anblick von unter den Arschbacken hängenden baggiepants. Es geht um etwas viel Banaleres, das subtil in unseren Alltag wirkt: Mode.

Was als sexy, nuttig, „asi“, geschmacklos oder stattdessen als angebracht angesehen wird, ist kulturell bestimmt und ständig im Wandel. Hochgebockte Brüste beim Dirndl können dabei ebenso als selbstverständliche gesellschaftliche Norm durchgehen wie das Tragen einer Penishülle (Papua Neuguinea). Schlaghosen aus den 70ern würden heutzutage Spott und Hohn provozieren und ein Mann im Rock würde unweigerliche Assoziationen in die Transenecke hervorrufen – außer in Schottland, wo das Tragen eines Kilts einen echten Kerl erst ausmacht. Kleidung bekommt (sexuell o.a.) orientierte Konnotationen erst durch gesellschaftliche Definition zugeschrieben. (Boah, was für ein klugwirkender Satz!1.gif) Und: auch als „nuttig“ empfundene Kleidung gibt nicht das Recht zu sexueller Belästigung – nicht mal bei Nutten – nicht ohne Bezahlung!4.gif

Sicher ist: über das Tragen von Kleidung wird Gruppenzugehörigkeit signalisiert, und wir sind weit davon entfernt, ob Männlein oder Weiblein, das tragen zu können, was wir wollen – das ist pure Illusion!

Noch enger wird es, wenn wir in den beruflichen Bereich gehen: ein Banker mit langen Haaren, Tattoos und Vollbart? Hab ich noch nie gesehen. Viele Branchen haben ihren ganz eigenen ungeschriebenen Dresscode, da brauche ich noch nicht einmal mit betriebsinterner Arbeitskleidung zu kommen.

Die meisten dieser Kleidungsregeln (bis auf die im Arbeitsvertrag festgelegten) sind nirgends schriftlich fixiert (ich lass jetzt mal „Cosmopolitan“ u.ä. nicht gelten), schon gar nicht gesetzlich – das wäre eine Katastrophe. Wertungen und Einordnungen ergeben sich subtiler, unterschwellig und sind nicht per Dekret lenkbar.

Man lernt sie von kleinauf durch Abschauen („hotpants, denn ich schwärm grad für Miley Cyrus“!), durch Erziehung („die Eltern dieser Mädels sollten dafür sorgen, dass die es nicht übertreiben mit ultrakuzen Höschen!“) eigenes Ausprobieren, Gehänseltwerden (tja, ist Hinterherpfeifen jetzt ein Kompliment oder Belästigung?), verwerfen, trotzdem dazu stehen (das sind dann die selbstbewussten Trendsetter)… Kurz: durch den „geheimen“ Lehrplan des Lebens in einer Gesellschaft.

Ohne die Kenntnis dieser Regeln gesellschaftlicher Konventionen ist gesellschaftlicher Erfolg schwer, von der Partnerfindung bis zum beruflichen Erfolg.

In Bezug auf adäquate Kleidung in der Schule (denn darum ging es ja zuletzt), gibt es dabei verschiedene Argumentationslinien:

Während bei den Kleinsten ein rosa Tüllkleid mit Krönchen auch mal außerhalb des Faschings lächelnd durchgewinkt wird, wenn nicht gerade Waldtag angesagt ist, sind die Gemüter bei den Größeren gespalten:

Seite A: Lasst doch mal die Jugend sich austoben, ausprobieren und gegen Normen rebellieren, so lange sie es noch können – sie müssen früh genug „hineinpassen“. Pubertät ist halt nun mal diese Phase, wo alles ausprobiert werden und anders sein muss als normal – vor allem auch die eigene Wirkung auf andere in veränderten Körperformen (Was kommt sexy an? Was kommt ZU sexy an? Was macht mich zur grauen Maus?). (O-Ton Abschweifung: „Ich mach mir jetzt noch einmal einen sidecut und färb mir die Haare lila vorm Abi – später, wenn ich mich bewerben muss, kommt das nicht so gut, bis dahin ist es wieder raus. Später dann ergibt sichs vielleicht noch mal…“)

Seite B: Schule ist „Öffentlichkeit“ und „Beruf“ der Schüler. Es muss ihnen bewusst sein, dass es „dienstlich“ andere Kleidungsnormen gibt als privat, und Schule ist Dienst. Kleidung wirkt sich auf Arbeitshaltung aus. ( Abschweifung aus meinem Lehrerleben: ich hätte es ehrlich nicht gedacht, aber meine Achtklässlerjungs, die wegen „Schickimickitag der SMV“ aus Jux für einen Tag in weißem Hemd erschienen waren, waren selten so wohlgesittet wie da – die Hemden ließen einfach kein Stinkstiefeltum zu, und ich fühlte mich etwas in „die Welle“ hineinversetzt1.gif..)

Beide Argumentationslinien haben ihre Berechtigung, und ich bin da noch nicht so ganz entschieden…

was aber WIRKLICH nervt in der Schule:

– Ballerinas am Wandertag
– Bikinis statt Badeanzügen bei Zweitklässlerinnen ohne jede Attribute, die das Oberteil halten könnten, und die die halbe Schwimmstunde damit beschäftigt sind, Träger und Bändel zu richten
– T-Shirts mit dünner Jacke bei Minusgraden im Winter
– allerteuerstes brandneues (sagen wir mal: Wolfskin)-Zeug an einem Tag, wo getöpfert, mit Wasserfarben gearbeitet, mit Chemikalien hantiert wird
– speziell bei Pubertierenden: fehlendes Wechsel-T-Shirt nach dem Sportunterricht – sorgt für Klassenzimmergerüche, die gegen die Genfer Konventionen verstoßen…
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Ein Gedanke zu „Just my 2 cents zur hotpantsdebatte

  1. Pingback: Warum ich das Sommerloch über die Kleidung in der Schule positiv finde | Geschlechterallerlei

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