Hoodies – straight outta school (oder: Pädagogik extreme – wenn Schüler das Sagen hätten)

Gestern gabs in meiner Chaosklasse die Abschluss-Sweatshirts, in unserem Fall eigentlich „Hoodies“, gewünscht war schwarz, natürlich mit hippem Aufdruck hinten und vorn, der vorher in der Gruppe  abgestimmt wurde. Dazu für jeden eine Sonnenbrille, Gimmick der T-Shirt Firma.

Heute die ersten Rückmeldungen auf Reaktionen der Umwelt: „Welcher Idiot von euch hat sich eigentlich für hintendrauf den Aufdruck „the most intelligent group of the world“ gewünscht? Mein Vater hat sich daheim halb totgelacht!“ „Ja echt, meiner auch, der hat sich voll lustig gemacht über mich!“

Ein Elternteil meinte, leicht verändert wäre der Aufdruck vorne wohl eine gute AfD-Parole: statt „Straight outta school“ bräuchte man ja nur „refugees – straight outta Germany!“ umdrucken… ^^

Aber da Elternmeinungen ja sowieso total bescheuert sind, tut das dem Stolz der Hoodie-Träger keinen Abbruch und so waren sie auch heute in der Schule unterwegs wie eine Rotte Gangsta (man! bro!, peace!) sich vollkommen über die Gruppenidentität definierend, was auf den Unterricht verblüffende Effekte hatte – so ein bißchen „die Welle“ mäßig, aber für Lehrkörper wie mich durchaus nicht unangenehm.

Tarek war bei der mündlichen Englischprüfung krank gewesen und muss morgen nachgeprüft werden. Ich parke ihn in der Lernzeit bei Lauritz (Prüfungsergebnis irgendwas mit 1 Komma), damit der ihn coacht und vorher noch ein bißchen mit ihm übt. Beim Weggehen höre ich gerade noch den Satz „Also, du schneidest morgen mit einer 2 Komma ab, sonst geb ich dir links und rechts eine!“ 4.gif Motivationsstrategien, von denen ein Lehrer nur träumen kann…

In der dritten Stunde hat meine Klasse Fachunterricht, ich habe so lange die Drittklässler. Ich frage: „Wer von euch ist so mutig, in die Neunte zu gehen mit einem Gruß von Frau M. sie braucht ihre Tafelmagnete?“ Sergej meint, er wäre tough genug. Erschüttert kommt er zurück: „Warum tragen die alle schwarz und Brillen?“ Später erzählt mir der Fachlehrer, Orkan hätte dem Drittklässler die Tür aufgemacht, groß und breit wie ein Schrank, mit dunkler Sonnenbrille und a la Türstehermanier türkdeutsch gefragt „Was willsch du?“ „Ähm, die Magnete für Frau M.?“ 17.gif „Na dann komm rein,“…und als Sergej drin war: „Aber du kommsch hier nicht mehr raus! – Außer du kennsch das Zauberwort!“ Und baute sich im Ernst wieder innen an der Tür auf. 16.gifDa Sergej (mittlerweile versehen mit den nötigen Magneten) das Zauberwort jedoch partout nicht kannte, schaltete sich der amüsierte Fachlehrer ein und erlöste ihn.

Dabei wäre es doch so einfach gewesen, „bitte“ zu sagen 5.gif

 

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4 Gedanken zu „Hoodies – straight outta school (oder: Pädagogik extreme – wenn Schüler das Sagen hätten)

  1. pimalrquadrat

    Haha, der arme Sergej! XD
    Das muss sicher für ihn beängstigend gewesen sein, ich lach mich hier aber schlapp. 😀
    Was ist denn nun aber an dem Spruch auszusetzen? Also, abgesehen davon, dass er auf keine Schülergruppe je zutraf, zutrifft oder zutreffen wird? Oder seh ich vor lauter Wald den Baum nicht? ^^‘

    Antwort
    1. errollbundelfeuerstein Autor

      Natürlich nahmen sie sich mit der Wahl des Spruches selbst auf die Schippe, aber dass ELTERN so darauf anspringen, oder Kollegen von mir, die sie dann in ihrem Unterricht explizit darauf hinweisen („das müsst ihr doch mit links machen, ihr seid doch the most intelligent group!“), das hatten sie nicht bedacht… – ist ja auch ein bißchen gemein… – aber da kommen sie schon klar damit!

      Antwort

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