Ich mach mir die Welt…

Klar, Putzfrauen sind zum Putzen da. Wär ja auch zu doof, sie durch übertriebene Sorgfalt quasi wegzurationalisieren und arbeitslos zu machen. Aber es ist ein Unterschied, ob man harmlos vor sich hinkrümelt, staubt, Sohlendreck transportiert oder hautschuppt, oder ob man seinen Arbeitsplatz hinterlässt als ein einziges Müllmeer diverser Natur, gut durchtränkt mit klebrigen Eisteeresten („Upps…- egal!“). Wenn man das als Schüler mit Absicht tut („wofür sind Sie da? Ist doch ihr Job! Deine Mudda!“) unter Verkennung der Tatsache, dass die Arbeit der Damen streng getaktet ist (10 min pro Klassenzimmer inclusive Waschbecken, Tische abwischen, Spiegel, Tafelbereich (meist kreideschmiervertropft) etc.), dann kriegt man schon mal Ärger. Die Sprachregelung war: Wir hinterlassen das Zimmer AUFGERÄUMT – den REST macht die Putzfrau.

So auch ein Drittklässler, der nun trotzig, Kopf auf Tisch, im Flur sitzt und erst wieder in die Klasse gehen darf, wenn er sich (nach der Beseitigung der Schweinerei) bei der Putzfrau für seine Frechheit entschuldigt hat. Warum das nicht passiert, ist für meinen Chef nicht ersichtlich, denn der Kleine ist reuig und will zurück in den „Nachmittagsunterricht“ (Heyho! Filmschauen am Schuljahresende!)… Die erzieherische Maßnahme hängt sozusagen bei 85% loaded…

Ich stehe gerade mit Chef im Flur und wir bereden noch was, da kommt eine zweite Putzfrau (altgedient) schüchtern von hinten dazu. „Äh, Entschuldigung, darf ich mal was sagen? Der Kleine tut mir so leid. Ich weiß, das ist ein Lauser, der wohnt sogar bei mir in der Straße, aber das hat er nicht verdient. Könnten Sie nicht mal ein Auge zudrücken? Weil, die Sache ist die: „die“ (Putzfrau Nr. 2 und Entschuldigungsansprechpartnerin) gibt dem gar keine Chance sich zu entschuldigen! Die zeigt dem voll die kalte Schulter, weil sie sagt der ist ein Ausländer. Die ist überhaupt voll ausländerfeindlich und redet nicht mit denen. Die betrachtet ja sogar mich (Anm.:Halbkroatin zweiter Generation, zutiefst schwabisiert und schwäbisch schwätzend) als Ausländerin!“

Das verblüfft mich. Die nationalstolze Dame muss sich mit dieser Haltung selbst ziemlich ins Abseits manövrieren, denn selbst bei angestrengtem Nachdenken fällt mir von unserer Putzfrauentruppe keine andere ohne Migrationshintergrund ein.

Was sie verkennt, ist: um sich wutzende 8jährige, egal welcher Herkunft, kann man noch erziehen. Entweder zu aufmerksameren Erwachsenen, fähig zu Perspektivenwechsel, die auf ihre Umgebung Rücksicht nehmen und wissen, dass Arroganz als Umgangsform kein guter Weg ist – oder man erzieht sie zu AUSLÄNDERN (was auch bei Inländern im Übrigen sehr gut funktioniert), die im Bewusstsein groß werden, hier ohnehin keine Chance zu kriegen als Menschen zweiter Klasse und unfair behandelt zu werden -> von einem blonden Bub hätte sie die Entschuldigung wohl gerne angenommen!

Damit produziert die Säuberungskraft genau die Situation, vor der sie Angst hat, die ihr dunkel dräut und düstere Zukunftsvisionen beschert: ein gespaltenes Land, in dem Klassen und Schichten sich bekämpfen und jeder sich mit Misstrauen beäugt…

Und so stapft der Chef schließlich los, um auf eine zweite Person (erwachsen) nun erzieherisch einzuwirken.

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