Archiv der Kategorie: Familie und Co

Lehrerkinder habens auch nicht leicht

Tochter: „Also Mama, du hast da ein Herz im Handschuhfach! Noch dazu ein menschliches Herz! irgendwann werden wir von der Polizei angehalten, und dann?“

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„um… äh ja… Das war so: Denise (13 Jahre, schusselig) hat mir mein Herz gebrochen2.gif

Also war eine Operation am offenen Herzen fällig. Mit etwas Moltofill gings dann wieder. Und nun solls halt wieder zurück…

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Als meine Kinder kleiner waren, waren sie regelmäßig genervt, dass mich in der Stadt häufig fremde Kinder freudig mit „Hallo Frau miez!“ grüßten.

Später wurden sie, wenn sie alleine in der Stadt waren, manchmal mit „Hallo, Tochter von Frau miez!“ (genau SO – weil ihr Name ja nicht bekannt war) gegrüßt – bemerkenswerterweise immer freundlich…

Heute kommen meine jüngeren Schüler zu mir: „Frau miez, ich hab gestern Ihre Tochter in der Stadt gesehen, aber ich hab mich nicht getraut, sie anzusprechen…17.gif

( Die beiden beißen nicht-jedenfalls die Ältere davon4.gif, aber in der Liga 16-19 ist frau dann einfach zu cool und zu „alt“ um einfach so gegrüßt zu werden…)

Mit ihren Freunden ist das so: manchmal passierts, dass meine Töchter im Freundeskreis auf Ex-Schüler von mir treffen. Diejenigen, die mich NICHT im Unterricht hatten, mich also nur von den Fluren und Aufsichten her kennen, kommen eher (trotz Überredungsversuchen) nicht zu uns nach Hause, das ist ihnen etwas suspekt… Ex-Schüler(innen) von mir, die mich „hatten“, kommen dagegen normalerweise gern und vorbehaltlos. Und ich freu mich auch, sie mal wieder zu sehen…

Wal – Sonntag

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Stolz vermelde ich, dass nun vier alteingesessene Mitglieder unseres Familienrudels plus zwei weitere Assoziierte das passende Wal-Alter haben.

Während einer (wie damals bei der Volkszählung unter Quirinius) zum Wählen nochmal in die Stadt seiner Väter reisen musste, machte sich ein weiterer Rudelteil zu viert auf den langen und beschwerlichen Weg ins Wahllokal (so ca. 50 m weiter…). Zu erwähnen ist dabei, dass ein assoziierter Rudeltobi (tja, das sind die Nachteile von Auszug und eigener Wohnung4.gif) dafür tapfer insgesamt 4×96=384 Stufen überwand, bevor es losgehen konnte. Warum?

„Ihr wollt jetzt wählen gehen? – Wartet, ich komm mit, hol nur noch schnell die Unterlagen von meiner Wohnung!“ (96 Stufen hoch, wieder runter)

„Hast du auch an deinen Perso gedacht?“ „Mist!“ (uuuund noch eine Runde…25.gif)

Das letzte Mitglied unseres Rudels wurde kurz vor 6 von auswärts eingesammelt, um dann OHNE Perso und OHNE Wahlunterlagen barfuß ins Wahllokal zu stürmen…

„Geht’s noch? Kann ich noch…?“

Und siehe da, es ging auch so, sie wurde noch nicht mal nach dem Namen gefragt (eh klar), einfach ohne näheres Ansehen ein Häkchen auf der Wählerliste gemacht „persönlich bekannt“…

Tja, es ist halt ein echter Vorteil, wenn man a) auf dem Dorf wohnt und b) einfach oft genug sein Bild in der Presse hatte 1.gif

Was dabei nun rauskommt? Nunja, die Wahl ist geheim, aber den familieninternen Wahlreden vorher läßt sich gesichert entnehmen, dass Kreuzchen an mindestens 8 verschiedenen Stellen gesetzt wurden (bei 6 Wähler/innen mit insgesamt 12 Stimmen). Wie das nun wohl zur Demokratie beiträgt? Schätze mal, bei uns gäbs Verhältnisse wie weiland in Weimar…

Aber egal: Stolzerfüllt blicke ich auf das politische Engagement und den körperlichen Einsatz, der bei manchen dafür nötig war – es war uns allen WICHTIG!

Meine Bildungs-Wunschliste für 7-jährige

Auslöser:

All die Diskussionen über (mangelnde) Allgemeinbildung, überzogene bzw. fehlerhafte Vorstellungen von Frühförderung, „dürfen Kinder noch Kinder sein“, der internationale und der Länderwettbewerb um den besten Nachwuchs (hört sich an als ob es um Kohlköpfe ginge…), Englischkurse ab Mutterleib und so weiter…

Auslöser 2: diese nette Liste (von mir bearbeitet und gekürzt, nach Geschmack gerne ausbaubar…)

Was in den Erfahrungsschatz eines siebenjährigen Kindes gehört / gehören kann

zusammengestellt aus dem Buch „Das Weltwissen der 7-Jährigen“ Autorin: Donata Elschenbroich

  • ein Geschenk verpacken (auch wenns verkrumpelt rauskommt1.gif)
  • ein chinesisches Zeichen schreiben (warum nicht, ist doch toll?)
  • in einen Bach gefallen sein5798376755158703814.jpg
  • ein Sternenbild kennen (NICHT aus einem Buch! Vom Himmel angucken!)
  • zwei Ämter im Haushalt ausführen können (zum Beispiel Tisch decken, Wäsche in den Schrank räumen)
  • eine Nachtwanderung erlebt haben
  • beim Wickeln eines Babys helfen
  • Beeren von einem Busch pflücken
  • ein Lied in einer fremden Sprache singen (Frere Jacques…972805.gif)
  • ein kurzes Gedicht aufsagen
  • beim Kuchenbacken helfen können (mit Teigschlecken!)
  • 5798411575167813144.jpg
  • im Wald gewesen sein
  • mit dem Vater putzen
  • etwas gesät haben
  • ein Musikinstrument ausprobieren
  • ein Selbstporträt gemalt haben
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  • ein Rätsel stellen können
  • einem Erwachsenen etwas erklärt haben (JA!)
  • den Geruch eines Pferdes erkennen
  • eine Anekdote über die Großeltern wissen
  • ein Pflaster auf eine Wunde kleben
  • etwas repariert haben
  • einmal durchgeregnet sein
  • eine fremde Sprache identifizieren
  • eine Frucht geschält haben
  • zwei Vogelstimmen unterscheiden (im Garten! nicht digital!)
  • irgendetwas richtig gut können
  • Langeweile gespürt haben
  • gespürt haben, wie Wasser trägt 
  • Flüche kennen (in zwei Sprachen)4.gif
  • … beliebig verlängerbar…

 

Bildung hat nicht nur mir Lesen, Schreiben, Rechnen und Bücherwissen  zu tun, sondern damit, unsere Welt zu kennen, sich darin zurecht zu finden, und sie auch genießen zu können, ihre Möglichkeiten wahrnehmen zu können. Dafür braucht es nie versiegende Neugier und einen wachen Geist…

… und Eltern und Erzieher, die einen Erfahrungen selbst machen lassen und NICHT mit Wortwissen vollstopfen).

So gehts zu bei uns…

Es denkt sich Fred, der Meerschweinbock:

„Mein Käfig der steht offen

hier drinnen ich versauernd hock

dort drauß‘ gibts was zu hoffen!

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Der Kater hält Siesta grad

ist irgendwo im Garten

mir steht der Sinn nicht nach Salat,

ich will nicht länger warten!“

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So steigt er aus und pirscht sich leis

ans Katzenfutter ran

auch Säue lieben das immens

und knabberns dann und wann…

 

Er futtert los und schlägt sich voll

und fühlt sich wie der King

Jetzt hab ich, Fred, das Sagen hier

ja, das ist ganz mein Ding!

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Da geht die Tür, ins Zimmer tritt

die Menschin samt dem Kater

das Meerschwein, das trifft  fast der Schlag

denn ausgediebt, das hat er!

 

Der Kater denkt: ich weiß was ich,

(wär nicht der Mensch da) täte

so ein Duell, Schwein gegen Katz,

ja, bete, Schwein, nur bete!

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Warum nur, sinnt er, will mein Mensch

das Meerli lebend haben

das sieht doch wirklich lecker aus

ICH würde mich dran laben!

 

Doch will ichs mir mit meinem Mensch

nun wirklich nicht verderben

ich fress die Maus, die Meersau soll

an Altersschwäche sterben.

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Dem Fred entgeht, er merkt es nicht

des Katers Großmut ganz

er fühlt sich groß als Macho hier

mit einem Siegeskranz.

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„Der Moment, an dem du dich am glücklichsten gefühlt hast“

Schon so und so oft gelesen in anderen blogs, aber einfach wahr:

die Geburt meiner Mädels.

Sorry Sohnemann, auch Deine Geburt war ein grandioses Erlebnis, das aber leider im Krankenhaus stattfand. Ich fühlte mich furchtbar fremdbestimmt und gegängelt… Es war halt – und das ist das besondere an DEINER Geburt – das allererste Mal…

Nach dieser Erfahrung habe ich euch, meine Mädels, zu Hause bekommen, im eigenen Schlafzimmer (allerdings gut vorher geplant, mit Betreuung durch eine Hebamme und einem Arzt in der „Hinterhand“, der sich bereit erklärt hatte, notfalls dazu zu kommen). Du, meine Große, (du hast es schon hundert Mal gehört), warst fixer als die Hebamme – die traf erst 10 Minuten nach dir bei uns ein. Da hatten wir uns schon bekannt gemacht, und Papa hatte dich abgenabelt und warm eingehüllt.  Der Arzt konnte zu Hause bleiben, dafür kamen die Nachbarn und standen als Begrüßungskommittee Spalier am Bett.

So schnell wollte ich es bei dir, meiner Jüngsten, dann doch nicht haben… Trotz Wehen empfingen wir noch den Sonntagsbesuch und tranken Kaffee. Nach einem wehenfördernden „Nachmittagsspaziergang“ jedoch schickten wir den Besuch für drei Stunden zu Nachbars (die mitfieberten) und riefen stattdessen nach der Hebamme, die diesmal erstaunlich schnell zur Stelle war- der Lohn fürs Warten der Gäste war, dass Tante und Onkel die kleine neue Erdenbürgerin dann gleich nach der Begrüßung baden durften – eine halbe Stunde nach der Entbindung.

Nach meinen Geburten war ich nie müde (was im Krankenhaus einfach nicht akzeptiert wurde), sondern hatte einen euphorischen „kick“, der mich in Feierlaune versetzte… Im Krankenhaus bin ich die ganze Nacht die Gänge herauf- und heruntergeirrt (gegen das Gequengel der Schwestern, die meinten, ich hätte gefälligst müde zu sein), daheim, nun ja: feierte ich, mit Mann und Hebamme, Kind und Kegel… (bevor dann die große Müdigkeit kam…)

Um es hier einmal öffentlich zu sagen (das war mir wichtig):

Schwangerschaft ist keine Krankheit und eine NORMALE Geburt ist kein medizinischer Notfall (sonst hätte die Menschheit wohl kaum so lange überlebt). Sie ist, und das wird in Krankenhäusern leider manchmal vergessen, ein unglaublich tiefes einschneidendes lebensveränderndes dramatisches tolles Erlebnis. Ob sie normal verläuft, hängt auch mit davon ab, wie wohl und geborgen sich die Frau dabei fühlen darf.

Das kann sowohl in der Klinik (gibt manchen ein Sicherheitsgefühl) als auch zu Hause (war bei mir so) der Fall sein. Niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen, wo sie ihr Kind bekommt.

Keine Frau muss sich für Komplikationen rechtfertigen, die sehr verschiedene Gründe haben können.

Keine Frau sollte sich rechtfertigen müssen für einen begründeten Kaiserschnitt, für die Einnahme von Schmerzmitteln oder für die Verweigerung derselben.

Wir sind hier in einem menschlichen Bereich, in dem der Begriff „Schuld“ – und somit auch „Rechtfertigung“ nicht anwendbar ist und keine Rolle spielt. Leben passiert.

 

Auszug aus „Polarexpedition“ – Februar 2012

Blogbucheintrag Nr. 28

… wir schreiben den Februar 2012.

Mittwoch: die Mannschaft braucht dringend Vitamine. Der Versuch, einen „Fleischwolf mit Entsafteraufsatz“aus den 50er Jahren Marke Kosmos wieder in Gang zu setzen, um schwarze Johannisbeeren aus dem Vorjahr zu verarbeiten, endet in blutigem Gemetzel. Wiederholte Feststellung: schwarzer Johannisbeersaft LASTS FOREVER! Heimkommende Lieutenant Uhura wird bei Ankunft und Anblick der Küche an einen Splatterfilm erinnert, Captain Kirk wird noch am Tag danach von allen gefragt: „Großmutter, warum hast du so blutige Hände?“…oder so ähnlich.

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Sonntag: nach 4 Tagen Nachtkälte mit um die -30°C sind fast alle Wasserleitungen im Haus eingefroren. Scotty begrüßt Captain Kirk morgens mit: „*Husten*, wir haben ein Problem!“ Reaktionen der Mannschaft:
Klingonen-Jonny: „Ach deshalb ist es in meinem Zimmer so kühl, obwohl ich die Heizung volle Pulle laufen lasse“ (Schnellmerker)
Sulu: „Juhu, Rockfestivalfeeling!“ (bezogen auf die nicht existente Klospülung)
Spock: „Die Anweisung „Eimer füllen zum Klo-Nachspülen“ genügt weder in Metrik noch im Reim höheren Anforderungen, beides ist knapp daneben…“ (yo, aber gestern beim Scrabblespielen nachhaltig dafür plädieren, verschiedene unfassbare Dinge mit Y (10 Punkte) schreiben zu dürfen…)
Uhura sollte erwägen, den Dribbles-Meerschweinchen kleine Söckchen zu stricken, da das Wohnzimmer nicht unterkellert ist und der Boden mittlerweile EISIG…

geschrieben am Tag der Katastrophe in der Hoffnung, dass es keinen Rohrbruch gibt      Captain Kirk

Fehlet Eana Fisch?

Es ist schon einige Zeit her, wir waren relativ neu im Dorf zugezogen, vielleicht wenn’s hochkommt grade mal 3 Monate.

Da klingelte es eines Tages an der Haustür, draußen stand ein älterer Herr im Blaumann, der wie folgt sprach: „Fehlet eana Fisch?“ 

BITTE? Ich konstruierte in meinem Hirm mühsam von tiefstem Schwabisch nach Hochdeutsch, da wiederholte er geduldig: „Fehlet eana Fisch?“

Okaaay, wir hatten schon Apfelverkäufer vom Bodensee an der Haustür, Bürstenbinder und was weiß ich – aber Fisch? War das einer von den Forellenzüchtern?

„Danke, wir brauchen keinen Fisch“ meinte ich, aber der Mann insistierte – so leicht wollte er sich nicht geschlagen geben: „Ha noi eana fehlet doch Fisch, der  C. hots mir uffm Friedhof gsait!“

Mit dämmerte: das musste auch ein – mir bis dato unbekannter – Dorfbewohner sein, und Herrn C, meinem Nachbarn, hatte ich erzählt, dass die Katze von Herrn F (auch ein Nachbar) leider in unserem Teich räuberte und nun (nach Zählung) schon den dritten Goldfisch stibitzt hatte. Natur eben…

„Ach so, stimmt, ich hab wieder einen Fisch weniger, den hat die Katze von F gefressen“ sagte ich also zu Herrn B (mittlerweile weiß ich, wie er heißt, obwohl er sich damals nicht vorstellte – im Dorf hat man sich doch zu kennen, oder?) – und jetzt…?

„Ihr Fisch is in meim Toich, kommet se und holen ’n!“ – – –13.gif

Ich schaute den Mann wahrscheinlich genau so an, wie ich über ihn dachte: Komplett verrückt geworden, der Typ! In meinem Kopf entstanden nebenher die wildesten Phantasien, wie der Fisch aus unserem Teich steigt, die Koffer gepackt, und irgendwo anders hin zum nächsten Teich spaziert, um sich dort wieder niederzulassen…

An dieser Stelle muss Herr B wohl gemerkt haben, dass ich etwas mehr input brauchte, um das Ganze nachvollziehen zu können, und das hörte sich dann so an: „Die Katz vom F holt immer moi Fisch ausm Toich, un i hab em scho so oft gsait, er soll nach dem Viech gugge. Letscht Woch bringt er mir im Oimer den Fisch und sait, sei Katz hot’n halblebig vor’d Haustür glegt. I hab den Fisch in moin Toich, awwer des wor net moiner, moi Fisch sähet annersch aus, die sen kloiner – un dann het der C mir uffm Friedhof gsait, dass Eane au Fisch fählet… I wohn am Kirchberg dobe, guggetse!“

Allerhand! Macht unser Goldfisch einfach ohne Bescheid zu sagen Urlaub in fremden Teichen, und wir denken seit einer Woche er sei ohnehin tot! In Gedanken hatten wir ihn schon beerdigt! 

Imponiert von dieser Sturheit der Natur erwiderte ich: “ Wissen Sie was, behalten Sie ihn doch, wir hatten ihn eh schon abgeschrieben“ (… und danke für die nette Story – made my day…)1.gif

Aber da war ich an den Falschen geraten! „Noi, Sie müsset en hole, nemmet se en Oimer und kommet se mit, i will en net, der is größer, der passt net zu moine!“

Da war wohl nichts auszurichten: mit einem Eimer stapften wir (Sohn, Tochter und ich) den Berg hoch, um in B’s Gartenteich unseren Globetrotter-Fisch einzufangen und wieder ins heimische Gewässer zu befördern. Zur Erinnerung an seinen „Katzentransportservice“ hatte er eine sichtbare Bisswunde an der Seite davongetragen, die ihn nicht zu beeinträchtigen schien, aber für uns unverwechselbar machte.

Und ich, ich hatte einen neuen (Nichtganznah)nachbarn kennengelernt und brauchte nebenbei ziemlich lange, um diese Geschichte ohne Lachflash irgend jemandem zu erzählen…