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Kindheit

… ist ein Konstrukt.

…ist ein Konstrukt?

Ein kurzer „Überflug“:

An Bildern aus der Renaissance kann man sehen, dass Kinder damals betrachtet und behandelt wurden wie kleine Erwachsene:

 

Während die Oberschicht hier genau so gekleidet und abgebildet wird wie die „Großen“ (immerhin mit Puppe), waren die Kinder der unteren Schichten, so bald es möglich war, Arbeitskräfte – wie die Großen. Die Idee, dass Kinder vor irgend etwas beschützt oder bewahrt werden müssten, gab es nicht. Sie wohnten z.B. Hinrichtungen bei (und wurden auch mal zum Tod verurteilt)… Auch das „normale“ Sterben von Familienangehörigen fand vor den Augen der Kinder in der eigenen Wohnung statt und da der Wohnraum in der Regel beengt war, war die Sexualität der Eltern kein Tabu, das lange zu halten gewesen wäre – wenn man nur EIN warmes Zimmer hat… Zur Puppe: Spielzeug – wenn überhaupt vorhanden – war (Übungs-)mittel zum Zweck (hier: später eine kompetente  Mutter zu werden).

Erst Jean Jacques Rousseau galt Mitte des 18. Jahrhunderts als der „Entdecker der Kindheit“ als besonderer Phase im Leben, in der die (kleinen) Menschen andere Bedürfnisse, einen anderen Verständnishorizont und andere Erlebniswelten haben und daher auch anders behandelt werden sollten als erwachsene Menschen. Daraus entwickelten sich unzählige pädagogische Richtungen, die Spielzeugindustrie, die Kindermode, aber auch Kinderrechte und Tabus (Sexualität, Tod, Geburt und Gewalt) für Kinder.

Konzepte, die freilich wieder nicht alle Gesellschaftsschichten erreichten und nicht verhinderten, dass Kinder der Unterschicht auf übelste Weise als Arbeitskräfte ausgebeutet wurden.

1983 schließlich brachte Neil Postman sein Buch heraus „Das Verschwinden der Kindheit“. Eine weitere Revolution des Kindheitsbegriffes hatte unmerklich stattgefunden: vor allem durch Massenmedien wurden Tabus für Kinder immer mehr aufgeweicht: Fernsehen und internet machen jede Form von Sexualität und Gewalt für Kinder frei zugänglich. Kinder kleiden sich wieder wie Erwachsene, die Erwachsenenmode spielt dafür mit Klischees von „kindlicher“ Kleidung. Kinder sind als Konsumenten eine nicht zu unterschätzende Zielgruppe (d.h. verfügen auch über eigenes Geld) und werden mit den gleichen Mitteln umworben wie die Großen. Dafür sind Kinder auch mehr und mehr wieder zu „Leistungsverpflichteten“ geworden (G 8 Abi, Ganztagsschulen…) mit einem Arbeitstag, der den mancher Erwachsenen übertrifft. Das „romantische“ Konstrukt der „Familie“ ist abgeschafft, Kinderhorte boomen.

So viel zur Lage…

… die mich gesteigert ratlos macht. Angesichts der Realität, die uns einfach „überrollt“ hat, sollten wir mal überdenken (statt nur zu reagieren)

Wie viel Kindheit braucht ein Kind?

Was bedeutet es, Kinder ERNST zu nehmen?

Wie viel „Mutter“ braucht ein Kind und in welcher Form?

Vor was sollten Kinder bewahrt werden und über was sollten sie wann Bescheid wissen bzw. damit umgehen?

Wie viel „Pflichten“ sind angemessen, wie viel „Spiel“ ist angebracht, wichtig und entwicklungsfördernd?

Wann ist ein Kind überbehütet, wann überfordert?

FSK für Kinderliteratur?

Hach ja, die armen Kinder werden heutzutage schon so früh Gewalt und Brutalität in den Medien ausgesetzt, kein Wunder, dass die zarten Kinderseelen verrohen… 

Um es vorwegzunehmen: ich bin natürlich NICHT dafür, dass man Kindern alles zeigen darf und sollte.  Die freiwillige Selbstkontrolle der Medienindustrie hat durchaus ihren Sinn, auch wenn man manche Altersfreigaben/ -beschränkungen nicht unbedingt nachvollziehen kann (und in den USA wird es dann komplett verrückt, wenn ein Film wegen dezent zu sehenden Nippeln oder einem heißen Kuss für die Jugend gesperrt ist, die aber andererseits wüstes Abschlachten jederzeit gerne sehen dürfen).

Gottseidank scheint es jedoch so zu sein, dass auch Kinder, die „Ungeeignetem“, „nicht Altersgemäßem“ ausgesetzt waren in gewissem Maße in der Lage sind, sich selbst seelisch zu schützen (was, wie gesagt, keine Ausrede dafür ist, sie mit solchen Inhalten zuzumüllen!)

Zum Vergleich einige Inhalte aus „Kinder“büchern einer Zeit, in der die Kindheit als behüteter Schonraum hoch im Kurs stand:

Im „Struwwelpeter“ (geschrieben von einem Kinderarzt (!)) werden Konrad, dem Daumenlutscher, diese zur Strafe rigoros abgeschnitten – schön illustriert!

 

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In „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch (zugegebenermaßen kein reines Kinderbuch) werden die zwei Lausbuben erst im Backofen gebacken, dann durch die Mühle gedreht und ihre Überreste an die Gänse verfüttert. Horror pur!

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Märchen waren ja eigentlich nie als Kindergeschichten gedacht, sondern für die Abende in den Spinnstuben – aber wo Frauen waren, da waren auch ihre Kinder, die zum Beispiel begierig den „Sieben Schwänen“ lauschten, die die Gebrüder Grimm notierten:

7 Jahre muss die Schwester schweigen, um ihre Brüder zu erlösen. In dieser Zeit wird sie Königin, gebiert 3 Kinder, die Ihr die böse Schwiegermutter aber sofort nach der Geburt abnimmt und tötet. Da sie sich wegen des Schweigegelübdes nicht verteidigen kann, wird sie als Kindsmörderin zum Tode verurteilt und erst im letzten Moment gerettet – nachdem sie den Schwanen-Brüdern Hemden übergeworfen hatte, die sie aus Brennesseln gewirkt hatte. Für mich persönlich eines der brutalsten Märchen – aber auch in den bekannteren geht es nicht zimperlich zur Sache: den Stiefschwestern von Aschenputtel wird die Ferse abgehackt („Blut ist im Schuh“), der Prinz von Rapunzel wird geblendet und irrt blind durch die Wüste, um nur 2 zu nennen.

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 Auch in den englischen nursery rhymes ging es ganz schön zur Sache:

 Goosey, goosey, gander,

Whither dost thou wander?
Upstairs and downstairs
And in my lady’s chamber.

There I met an old man
Who wouldn’t say his prayers;
I took him by the left leg,
And threw him down the stairs.

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… so gehört sich das, wenn man seine Gebete nicht spricht: Treppensturz!

Bei alldem sollte man meinen, dass diese Welt lauter seelisch total verkrüppelte, verängstigte Kinder -> Erwachsene erzeugt hat… Traumata gab es sicher, genau wie heute auch, wenn ein Horrorfilm überfordert, aber meistens gingen die Kinder doch heil aus der Sache hervor – was zu Hoffnung Anlass gibt.

Meine persönlche Meinung, was wann wie zumutbar ist:

1. es hat keinen Zweck, Kinder vor der „schädlichen Medienwelt“ bewahren zu wollen –  irgendwann werden sie damit als Teil heutigen Alltags konfrontiert  und MÜSSEN sich damit auseinandersetzen. Dafür sollten sie „medienkompetent“ gemacht werden, einschätzen können, was ihnen begegnet (Fiktion oder Realität? Wie gemacht? Wie gemeint?) – also Medien schon einmal begegnet sein.

2. FSK-Angaben sind Richtlinien „Pi mal Daumen“. Jedes Kind ist anders. Während sich das eine zu Tode ängstigt, hat ein anderes im gleichen Alter schon mehr Reife oder auch Medienerfahrung und kann das Gesehene anders einschätzen / beurteilen.

3. Zu Beginn einer „Medienkarriere“ (und später immer wieder) sollten Eltern ein Auge darauf haben, was ihre Kinder konsumieren, wie sie darauf reagieren und mit den Kindern über das Gesehene reden. Wenn man sich nicht sicher ist, ob die FSK-Angabe zutrifft/für das eigene Kind passt, den Film gemeinsam mit dem Kind ansehen.

4. „Kanal wechseln“/“Kino verlassen“… ist nicht unbedingt richtig, wenn eine Sequenz zu erschrecken scheint. Zu sehen, dass am Ende alles gut ausgeht, bringt ein ruhigeres Gemüt (und ruhigere Nächte) als sich wochenlang zu fragen, wie es nach dem „Schock“ denn weiterging.

5. Oft ist es so, dass Kinder sich vor ganz anderen Dingen erschrecken oder gruseln, dass sie andere Dinge beschäftigen, als man vorher tippen würde – und was man selbst für erschreckend hielt, ist kein Problem…

6. Kinder wollen bestimmte Filme, die sie sehr beschäftigen, immer und immer wieder sehen – bis sie verarbeitet sind.

Wenn ich hier von „Kindern“ rede, meine ich die Altersgruppe 5+ bis in die Pubertät; vorher braucht man meiner Meinung nach auf keinen Bildschirm zu starren (auch wenns für die ELTERN oft angenehm ist mit dieser Sorte „Babysitter“ ).

Ist halt wie überall im Leben: alles mit Maß und Fingerspitzengefühl betreiben – und nicht mit der „Keule“ rundumschlagen wie Heinrich Hoffmann, Autor des Struwwelpeters…

Erwachsen mit 18

„Kinder“ und „Jugendliche“ werden in verschiedenen Kulturen recht unterschiedlich gesehen und behandelt. Während einigermaßen Konsens herrscht, dass kleine Kinder (unter 10 Jahren) andere Bedürfnisse, Rechte und „Pflichten“ haben als Erwachsene, gehen die Meinungen bei Teenies bereits weit auseinander.

Das fängt an mit der unterschiedlichen Definition von „Volljährigkeit“ (zwischen 16 – 21 Jahren, je nach Land) und zieht sich durch bis ins Arbeits- und Strafrecht: Je nach Land sind Menschen bereits ab 7 Jahren (!) voll strafmündig:

Rechtliche Situation in anderen Ländern

Ab dem … Lebensjahr als strafmündig bewerten:

  • 7 Jahre: Bangladesch, Indien, Myanmar, Nigeria, Pakistan, Südafrika, Sudan, Tansania, Thailand
  • 8 Jahre: Indonesien, Kenia, Schottland
  • 9 Jahre: Äthiopien, Iran (nur Mädchen), Irak, Philippinen
  • 10 Jahre: Nepal, Australien, Ukraine
  • 11 Jahre: Türkei
  • 12 Jahre: Kanada, Irland, Israel, Korea (Rep.), Marokko, Uganda
  • 13 Jahre: Algerien, Frankreich, Polen, Usbekistan
  • 14 Jahre: China, Dänemark, Estland, Italien, Japan, Rumänien, Russland, Slowenien, Vietnam
  • 15 Jahre: Ägypten, Finnland, Norwegen, Schweden, Island, Philippinen, Iran (Jungen)
  • 16 Jahre: Argentinien, Spanien, Portugal                                                                                (Quelle: Wikipedia)

Die Entwicklung in unserer eigenen Gesellschaft scheint mir gerade konträr in 2 Richtungen zu gehen:

EINERSEITS zieht man das (mildere) Jugendstrafrecht durch bis 21 Jahre und räumt Jugendlichen recht große „Schonräume“/“Freiräume“ ein unter dem Motto: „du bist noch nicht voll verantwortlich für das, was du tust;

ANDERERSEITS gibt es immer wieder Diskussionen um „mehr Rechte für Jugendliche“, z.B.:

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:teenies-am-steuer-cdu-will-fuehrerschein-fuer-16-jaehrige/70024182.html

http://ich-will-waehlen.de/index.php?kat=Texte&titel=Jugendliche+sind+B%FCrger+erster+Klasse!

Darüber hinaus mutet man der jungen Generation das „Turbo-Abi“ in 12 Jahren zu und setzt sie immer mehr gesellschaftlichen Einflüssen aus, die nichts mehr mit „behüteter Kindheit“ zu tun haben.

Für mich ergeben sich folgende Fragen:

Wann ist ein Mensch wirklich „erwachsen“ im Sinne von „reif“ (z.B. wg Wahlrecht ausüben mit fundierter eigener unmanipulierter Meinung)? (Ich weiß, manche sinds nie, aber wo soll man altersmäßig die Grenze ziehen?)

War das früher anders, da Jugendliche schon viel früher gefordert wurden im Sinne von „Einstieg ins Arbeitsleben mit 14/15“ (wo sie heutzutage von keinem Arbeitgeber gerne genommen werden, da sie arbeitsrechtlich noch sehr eingeschränkt sind)?

Wann sollte Jugendlichen wie viel Verantwortung (und für was) übertragen werden – und sollte  „Verantwortung“ nicht auch gekoppelt sein mit möglichen strafrechtlichen Konsequenzen? 

Wie lange sollen Schonräume und Sonderregelungen für junge „Täter“ bei Straftaten gelten?

Wie lange muss man Kinder (und: vor was?) bewahren (FSK-Regelungen)?

Wann hört Kindheit auf…?

Vom Umgang mit Teenagern Teil drölfzig

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…laut Talmud – so weit so gut.

Was dabei nicht berücksichtigt wird ist, dass in den Hirnen (sprich Gedanken) von 12 – 15jährigen gerade ein Umbau stattfindet mit allen Renovierungs- und Baustellenerscheinungen wie Kurzschlüssen, vermüllten Ecken, Organisationschaos sowie damit verbundenen Emotionen.

Dabei spielen kleine fiese Hormone eine nicht zu vernachlässigende Rolle – besonders hartnäckig sind dabei die, die den Pubertanden immer wieder auf Folgendes hinweisen:

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Daher gilt im Gespräch mit (meist männlichen, aber auch einigen weiblichen) Teenagern genau die umgekehrte Regel des Talmuds:

Achte auf deine Worte, denn sie werden (Teenager-) Gedanken. Achte auf die Gedanken, denn sie werden lachflashs. Achte auf die lachflashs, denn dann hast du den Salat…

In der Praxis sieht das dann so aus:

Benutze im Gespräch mit einem Pubertierenden, das ernsthaft verlaufen soll, NIE – aber auch wirklich NIE folgende HöHöHöchst-provozierende Wendungen (und nein, das ist NICHT lustig, sondern beim 1257. Mal nur noch ermüdend):

1. Wann bist du gekommen? („Das letzte Mal heute früh im Bett“)

2. Nach dem langen Sitzen war er ganz steif („Dauererektion oder was?“)

3. Benutz doch den Ständer! („Höhö binisch schwul oder was?“)

4. Ich hab kein Ticket, denn mir hats keiner besorgt („Soll ich dirs besorgen?“) 

5. die Farbe deckt alles („geil, aber bitchmäßig“)

6. Habt ihr schon Friedrich den Großen durchgenommen? („Nö, wieso, hat ers nötig?“)

7.Becher gibts nur noch im oberen Regal. Hol dir einen runter. („Jetzt? Kommt das nicht ein bißchen Assi?“)

8. Mach halt den Fernseher an („Hallo süßer Ferneher – bist du öfters hier?“)

9. Ein Piercing – steht ihm das? („Ja, ein piercing – aber ob ihm was steht, kann ich jetzt nicht sagen…“)

10, 11., 12. und 13. verbieten sich die Bezeichnungen folgender Gegenstände von vornherein – absolut tabu!:

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Un nun eine kleine Übung: Welche Wendung geht GAR nicht, wenn man die Aufstellung dieser Männer beschreiben will:

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Pfui, aus, nein,sagts nicht! Oder das nächste „höhö“ wird gnadenlos über euch hereinbrechen…

In diesem Sinne: Sperma die Ohren auf und sortier RICHTIG, was da ankommt!

„Er ist leider an falsche Freunde geraten“

Was bisher geschah: Justin* hat es sage und schreibe geschafft, DREIMAL die achte Klasse zu „machen“. Auch beim dritten Mal wäre er laut Zeugnis nicht versetzt worden. Jetzt ist er überaltert und geht – ohne IRGENDEINEN Schulabschluss –  in irgendwelche berufseingliedernde Maßnahmen (ein Euphemismus…). Blöd ist er nicht, nur… siehe Titel! Das ist jedenfalls der Satz, den man von seinen Eltern nun seit der 5. Klasse (die ja nun 6 Jahre her ist) in Dauerschleife zu hören kriegt – dumm nur, wenn man die „falschen Freunde“ ebenfalls seit Jahren kennt und DIE nun erfolgreich in Ausbildung, Gymnasium, FSJ, oderoderoder sind…

Mal ehrlich: ich kanns nicht mehr hören!

Sorry, „Er ist leider an die falschen Freunde geraten“ gehört für mich spätestens seitdem in die Auswahl der dümmsten Ausreden, die man als Eltern so finden kann. Warum mir da immer öfter die Galle hochkommt?

1… wird damit die Verantwortung für das EIGENE Handeln des EIGENEN Sprösslings komplett abgebogen. Wenn etwas schiefgeht, sind im Zweifelsfall immer die anderen schuld. Das enthält allerdings auch das Eingeständnis der Eltern, dass sie ihrem Kind nicht zutrauen, etwas alleine aus eigenem Antrieb zu tun oder zu schaffen (egal ob es jetzt beim „Blödsinntreiben“ oder beim Lernen ist). Möglicherweise glaubt das Kind genau deshalb vielleicht, es müsste anderen hinterherdackeln – unterschwellig haben die Eltern das ja gefördert…

2. werden potentielle Freunde gleich in verschiedene Menschensorten unterteilt, die einen, die es wert sind, mit dem Kind befreundet zu sein, die anderen, die nicht gut genug sind. Die einen, neben denen der eigene Sohn in der Schule sitzen SOLLTE, die anderen, die – um Gottes Willen!- möglichst weit von ihm ferngehalten werden müssen, denn DIE sind ja die Anstifter zu allem Bösen. Was für eine Förderung von Arroganz und Überheblichkeit! Merkwürdig nur die unterschiedlichen Schullaufbahnen – im Nachhinein besehen…- irgendwann hatten die anderen halt keine Lust mehr auf JUSTINS Blödsinn und Schlamperei…

3. Wann fragen solche Eltern je mal „Tut MEIN Kind anderen gut? Ist MEIN Kind denn für die anderen ein guter Freund?“ Vielleicht sollte man seine Kinder mal daraufhin anschauen, statt immer nur Freunde einzufordern / zu akzeptieren, die das eigene Kind „voranbringen“ können?

4. Ich stelle mir vor, dass notorische „Mitmacher“, die sich von anderen in ungute Dinge hineinziehen lassen (oder von sich aus „Mist bauen“ müssen um sich anerkannt zu fühlen), oft Jugendliche ohne Gefühl für den eigenen Wert sind und damit ohne Gefühl für das, was ihnen guttut oder schlecht bekommt. Mit einer Grundausrüstung von „Ich habe es nicht nötig, anderen etwas zu beweisen“ „Ich entscheide selbst, was mir wichtig ist und was ich tue oder lasse“ und „Ich bin nicht auf das Wohlwollen anderer angewiesen, denn ich habe einen Ort, an dem ich ohne Wenn und Aber IMMER ein offenes Ohr und Rückhalt finden werde“ halte ich es für schwer, überredbar zu sein zum „Mist bauen“. (NB ist das so gesehen ein gutes Zeichen, wenn in jedem zweiten 16-Jährigen blog steht „ich bin anders als die anderen“ – jedenfalls eine wichtige Entdeckung von eigenem Wert und Selbst-Bewusstsein und weg vom „Mitmachen Müssen!“)

5. Wer ein Ziel hat, wird mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit „Mist bauen“ . Wenn man weiß, was man will und wohin man will, nimmt man vielleicht auch langweilige und unattraktive Dinge wie Schule, „malochen“, sich zum einsundleipzigsten Mal Bewerben in Kauf… und hier kommt meine einzige Einschränkung im Geschimpfe: Lebensziele zu finden ist verdammt schwer und kann einen auch schon mal auf Ab- Um- oder Nebenwege bringen – aber dann ANDERE dafür verantwortlich machen? Geht gar nicht!

Über Resilienz

 In der Psychologie bezeichnet der Begriff Resilienz die Widerstandsfähigkeit einer Person gegen „krankmachende“ bzw. persönlichkeitsschwächende oder – schädigende Außenbedingungen.

Offizielle wikipedia-Definition: „die Fähigkeit, Krisen durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.“

Während meines Studiums vor über 20 Jahren war der Begriff (jedenfalls hier in Deutschland, jedenfalls in meiner Sparte) noch brandneu und die Forschung dementsprechend in den Kinderschuhen. Wir bekamen in Soziologie und Psychologie lediglich die statistischen Gesetzmäßigkeiten vermittelt, was für eine Zukunft Kinder erwartet, die vernachlässigt, missbraucht, in prekären Verhältnissen, in der Nähe von Drogenkonsum, Gewalt ausgesetzt, ohne Bildungsanreize, mit wenig (An)Sprache, aber reizüberflutet durch die Medien… aufwachsen. In dem Fall ist die ganze Kindheit (!) die „Krise“, die gemeistert werden muss… Es wurde viel über Defizite nachgedacht – bis man entdeckte, dass es durchaus Kinder gab, die nach solchen Kindheitsbedingungen zu glücklichen, leistungsfähigen, sozialkompetenten Menschen in der Mitte der Gesellschaft heranwachsen.

Das war ein Ansatz für mich, denn während das Herumdenken über das, was diesen Kindern alles fehlt und wie man diese „Schlag-Löcher“ (manchmal wörtlich) im Lebens-Weg stopfen könnte, zutiefst frustrierend ist, bin ich ein großer Anhänger von Geschichten mit Happy End – und genau solche „Märchen“ sollten im realen Leben möglich sein, sprich: komplettes Anlegen einer neuen Trasse statt Schlaglochflicken?

Man begann in den Folgejahren zu untersuchen, was denn dazu geführt hatte, dass für diese Kinder ein „geglücktes Leben“ (oder ein geglückter Start dorthin, denn Leben bleibt ja immer ein Prozess) möglich wurde und als „Resilienzfaktoren“ zu sammeln. Woher nahmen die Kinder die (s. wiki) „Ressourcen“, eine solche Kindheit „schadlos“ zu überstehen? Was in ihrem Leben gab ihnen eine solche innere Stärke? Die Antworten auf diese Fragen sind sehr spannend, viel zu komplex für EINEN Post (wen’s interessiert: gidf!) und immer noch in Forschung begriffen.

In meinen letzten 20 Berufsjahren gab’s jedenfalls zwar – das ist Alltag – jede Menge Schlaglochflickereien, was mich aber nie aufhören ließ, „zu den Sternen zu greifen“. Einige kleine und große Resilienzwunder durfte ich begleiten und miterleben (und mir vielleicht ein BISSCHEN einbilden, dass ich vielleicht einer der Resilienzfaktoren war?) und bewundere die zutiefst, die es als Erwachsene „geschafft“ haben – seien sie jetzt 19 (das ist der Jüngste, den ich kenne) oder 33 Jahre alt (das ist die Älteste, deren Weg ich mitverfolgen durfte).

Sie erinnern mich alle an Timm Thaler aus dem Buch von James Krüss, dessen Lachen für den Teufel deshalb so begehrenswert war, weil Timm es durch alle Schicksalsschläge und Krisen gerettet hatte und es nun (laut Buch) wertvoll und unzerstörbar wie ein Diamant geworden war.  

Hintergedanken zum vorpost „Max und Moritz“

Nö, das böse Computerspielen ist nicht an allem schuld.

Wenn ich höre, was Angehörige der Nachkriegsgeneration (jetzt in Ehren ergraut) damals als Kind für Blödsinn gemacht haben, kommt darin auch mal gefundene, noch funktionierende Munition vor, die natürlich dringend ausprobiert werden musste – was vom „Schwarzpulverstreich“ gegen Lehrer Lämpel gar nicht so weit entfernt war…
Damals wie heute gab es dabei Unterschiede zwischen Spitzbübereien, über die man lachen konnte, bodenlosen Dummheiten und – (hoffentlich) als ein ganz kleiner „Bodensatz“ – wirklich gefährlich gegen andere gerichtete „Streiche“.

Aber sicher gab es damals auch schon – und auch noch früher, zu Buschs Zeiten, „deprivierte“ Kinder und Jugendliche…

Ein Unterschied war vielleicht, dass „Dummheiten“ zumindest in der dörflichen Umgebung sehr viel direkter geahndet wurde über soziale Kontrolle (siehe das Original „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch), und auch wenn keine Kinder gemahlen wurden, waren die Konsequenzen sicher nicht zimperlich…

Ich halte die Streiche von Max und Moritz schon für „von der damaligen Wirklichkeit“ abgeschaut (na ja, leicht verfremdet aus „Comic“ Gründen) – und witzig waren sie auch nur für die LESER:

„Bildlich siehst du jetzt die Possen,
Die in Wirklichkeit verdrossen,
Mit behaglichem Gekicher,
Weil du selbst vor ihnen sicher.“ (Wilhelm Busch)

Wir haben es zu tun mit wiederholter Sachbeschädigung und Diebstahl (die Hühner der Witwe Bolte, die Brezeln beim Bäcker, die Säcke beim Müller), Mobbing und Körperverletzung (Schneider Bökh und Lehrer Lämpel). Mich verblüfft vor allem die Sache mit den Maltersäcken, denn so doll war die Ernährungslage damals auch nicht – die Jungs vernichten also aus purer Langeweile ihre eigene Existenzgrundlage. Irgendwie kommt mir das bekannt vor… Heute wären die Knaben sicher vor dem Jugendrichter gelandet.

Na ja, die Leute sind immer noch die gleichen wie damals, und wenn Kevin und Hüseyin am Ende mit einem geklauten Auto an einem Baum kleben geblieben wären, würde es sicher immer noch bei manchen heißen:

„Als man dies im Dorf erfuhr, war von Trauer keine Spur“

… nicht dass man sich das wünschen würde, oder dass es irgendein Problem lösen würde, aber auch dieses Ende ist – wie die anderen „Streiche“, auf realen Erfahrungen gegründet.

Zum Schluss noch eins: EINEN Streich finde ich wirklich klasse – der ist kreativ, witzig und für mich voll in Ordnung – und das ist der Fünfte:
http://www.wilhelm-busch-seiten.de/werke/maxundmoritz/streich5.html

Max und Moritz leicht modernisiert

Alle kennt ihr Moritz, Max,

deren Unfug, Schabernacks

machmal rechte Missetat

Wilhelm Busch beschrieben hat.

Eins hat er jedoch entschieden:

„für den lieben Seelenfrieden

meiner Leser fern und nah

lass ich aus, was noch geschah…“

… damals mit dem Lehrer Lämpel

der, als eins der Streichexempel

Opfer seiner Tabakspfeife,

die kurz vor des Rauchens Reife

eines Tages explodierte

ehe er noch was kapierte.

Es war so: die Explosion

(und die kanntet ihr ja schon)

sorgte dafür, dass verwundert

Lämpel tauschte das Jahrhundert

in der Zeit nach vorne reiste,

bis er hier bei uns entgleiste.

Staunend trat er in die Schule

dort fand er auf ihrem Stuhle

Max und Moritz! Fast – beinah…

nur, dass es ein Kevin war

neben ihm der Hüseyin,

nichts als Blödsinn war ihr Sinn.

Hühner stehlen alten Frauen

gab es zwar nicht anzuschauen

ohne Tiere groß zu quälen,

taten sie nur MÄUSE stehlen.

Mit dem so erworbnen Zaster

frönten sie nem neuen Laster:

Hühnerbraten macht nur satt

Vodka auch Prozente hat…

Solchermaßen angeheitert,

ihre Geisteskraft erweitert,

fanden sie es lustig nun,

jemand etwas anzutun.

Schneider, Brücken, gab es nicht

doch ein armer dünner Wicht

der allein der S-Bahn harrte –

sollt es kriegen jetzt – na warte!

„He, du Assi, los verpiss dich,

aber pronto *grins* ich diss dich!“

… und der arme Kerl sieht rot

und er tritt in seiner Not

nen fatalen Schritt zur Seite

schätzt falsch ein des Bahnsteigs Breite…

Fast gab es ein böses Ende,

wenn nicht für des Falles Wende

wär ein Pärchen lang gekommen

das ihn hat zu Seit genommen…

…doch bevors jemand begriffen,

Kevin, Hüseyin sich verpfiffen.

Wenn dem Lehrer Lämpel schien

dass zu SEINER Zeit mithin

Schüler undankbare Tröpfe

und dass er die Hoffnung schöpfe

dass es könnt NUR BESSER werden…

mancher täuscht sich hier auf Erden.

Hüseyin, Kevin hassen Mathe

und auf ein’s Regales Latte

wird mit großem Vorbedacht

dort ein Handy angebracht

dann auf „Filmen“ „play“ gedrückt

und schon ist der Streich geglückt.

Nach gekonntem Sichten, Schneiden

(denn DAS können wohl die beiden)

werden Pannen zementiert

und der Lehrer ist blamiert.

Nun, so spricht der Lehrer Lämpel,

dies ist wieder ein Exempel:

Es wird immer böse Knaben

jederzeit gegeben haben.

Menschen schaden, Tiere quälen

Dinge (und auch Nerven) stehlen…

Ja, zur Übeltätigkeit

ist man immer noch bereit!

Damals wurden sie gemahlen…

doch wie sie wohl heut bezahlen?

Wie gehn wir damit JETZT um?

Was ist menschlich, doch nicht dumm?

Und wie sieht es schließlich aus

wenn sie aus dem Wachstum raus?

Worin liegt es wohl begründet

wenn man so viel Bosheit findet?

Wie kann man die Knaben lehren

Mitgefühl, in allen Ehren?

Als er so gesprochen hat

geht der Lämpel – ohne Rat…