Lehrer sind keine Erzieher (Warnhinweis: ein rant)

Vorgeschichte – dieser post in einer Diskussion:

Der Lehrkörper nimmt für sich in Anspruch, Profi in Sachen „Erziehung“ zu sein. Und die Mitglieder in der Verlosung kassieren ein Schweinegeld…

Sie kommen sich fürchterbar wichtig vor, sind natürlich ausgebrannt und unterbezahlt, komplett überarbeitet  und haben null Freude am Job. Komisch, dass diese Beschreibung genau auf die komplett überforderte und inkompetente Hälfte zutrifft…

Falsch. Lehrer sind Experten in Sachen Bildung (bzw sollten es sein, wenn sie kompetent sind), nicht in Sachen Erziehung. Nicht umsonst gibt es daneben das Berufsbild des Erziehers / Sozialpädagogen. Lehrer sind, um ihren Beruf angemessen ausüben zu können, darauf angewiesen, wenigstens in Teilen erzogene Kinder vorzufinden.

Ja, Lehrer erziehen AUCH – aber Fachleute für Erziehung sind sie definitv NICHT. Gymnasiallehrer „dilettieren“ komplett – bei anderen Sekundarlehrern und Grundschullehrern sind wenigstens einige basics überflugartig in der Ausbildung mit drin. Erziehung in der Schule ist wieder ein anderes Feld als Methodik und Didaktik, wo es eher darum geht, Inhalte entwicklungspsychologisch angemessen und motivierend an den Schüler zu bringen. (merke: man kann gleichzeitig hochmotiviert und total unerzogen sein.)

Im Feld „Erziehung“ geht es eher um Inhalte wie: Wie gehe ich angemessen mit Mitschülern und erwachsenen Respektspersonen um? Wie strukturiere ich meine Aufgaben? Wie komme ich in einem Lernteam klar? Wie gehe ich mit meinen (und fremden ) Materialien um? Was sind grundlegende Höflichkeitsformen? Wie strukturiere ich mich selbst (Pünktlichkeit, (klingt lächerlich, aber ja:) Toilettengänge, „bei der Sache bleiben“ usw.

Diese „Inhalte“ sind natürlich altersgemäß unterschiedlich einforderbar. Von einem Fünftklässler kann ich mehr erwarten als von einem Erstklässler, der erst am Beginn des Prozesses steht, das alles auf die Reihe zu kriegen. Dass dann wieder ab der Pubertät einiges davon NICHT mehr funktioniert, ist auch normal.

Die Frage ist für mich, wie viel Zeit ich als Lehrer zum „Training“ dieser basics aufwenden muss und wie viel Zeit mir dann noch bleibt für meinen eigentlichen Kernauftrag, die Bildung und das (motivierende) Vermitteln von Inhalten.

Eine Verwandte von mir war Lehrerin im „desaströsen“ Nordrhein-Westfalen, Hauptschule. Sie berichtete mir, sie seien an einen Punkt gekommen, wo die Schule festlegte: mit dem Unterricht wird erst dann begonnen, wenn die Schüler zu Beginn eines Schuljahres dazu in der Lage seien. Will meinen: Die Schüler sind pünktlich da – Hefte und Stifte sind vorhanden – grundlegende Verhaltensnormen sind geklärt (eine Kultur des Zuhörens, keine Tätlichkeiten.) Das hat dann schon mal 3 Wochen „Erziehungstraining“ gebraucht, meinte sie.

So schlimm ist es hier bei uns noch nicht. Ich habe eine Stunde „Klassenrat“ pro Woche – keine Extrastunde, sondern herausgeschwitzt aus dem Pool, der für Deutsch, Mathe Englisch vorgesehen war. Das hat sich als nötig erwiesen als Grundlage dafür, dass alle anderen Fächer überhaupt sinnvoll stattfinden KÖNNEN. Darin werden Konflikte zwischen den Schülern, zwischen Schülern und Lehrern sowie Sorgen und Nöte (auch private) geklärt, damit alle den Kopf erst mal frei bekommen für Inhaltliches.

Darüber hinaus kommt es trotzdem (diese Woche zuletzt^^) vor, dass eine komplette (in dem Fall Englisch)stunde wegfällt, weil die halbe Klasse völlig außer sich aus der Hofpause zurückkommt und ein Konflikt geklärt werden muss.

Als Lehrer hat man die Wahl (und ist in JEDEM Fall Vorhaltungen der Eltern ausgesetzt):

– versucht man seinen „Stoff“ durchzuziehen, gärt und schwelt der Konflikt unterschwellig weiter. Die Schülermotivation ist ohnehin am Ende, weil die Gehirne  etwas komplett anderes beschäftigt, schlimmstenfalls kommt es zur Konfrontation – irgendwo will die aus der Pause mitgebrachte Schülerwut schließlich raus! Elternvorwurf: Man geht nicht auf die Schüler ein, wird ihnen nicht gerecht, man versucht autoritär sein Ding durchzudrücken.

– opfert man die Stunde zur Konfliktlösung, gerät der „Stoff“ ins Hintertreffen. Elternvorwurf: Was macht man eigentlich die ganze Zeit für Gesprächstherapiekreise? Haben ihre Kinder nicht ein Recht auf Bildung?

Da ähnliche Situationen immer mehr überhand nehmen, hat meine Schule (und da ist sie gegenüber anderen deutlich im Vorteil) einen Schulsozialarbeiter und pädagogische Assistenten (sic: fachlich ausgebildete ERZIEHUNGSpersonen), die Schüler, die gerade nicht „funktionieren“, aus dem Unterricht nehmen können und getrennt davon Dinge klären können.

Diesen Vorteil hat allerdings nicht jede Schule – und ja, Lehrer sind mittlerweile mit der Fülle und dem Niveau der Erziehungsaufgaben überfordert, die auf sie mehr und mehr zukommen, für die sie nicht ausgebildet sind und die sie neben ihrer eigentlichen Aufgabe leisten sollen.

Auf diese Tatsache reagieren Lehrer verschieden: die einen ziehen sich zurück auf ihre Kernaufgabe der Bildung, der „Rest“ geht sie nichts an, notfalls ziehen sie ihr Ding mit struktureller Gewalt durch – Resultat: einige Schüler mit guter Schulbildung, der Rest gemobbte Wracks oder Amoklaufüberleger. Die anderen Lehrer ackern hoffnungslos im Spagat zwischen Bildung und „Erziehung extreme“ bis zum (bei Lehrern überdurchschnittlich häufigen) burnout – Resultat… wenn ich das wüsste? Viel zu wenige Lehrer schließlich geben zu, dass Hilfe nötig ist, und zwar FACHLICHE von Erziehungsprofis, da es tatsächlich so ist, dass die Eltern IHRE Kernaufgabe der Erziehung gerne an die Schule abgeben, die dafür eigentlich nur im Rahmen einer „Erziehungspartnerschaft“ da ist, Hand in Hand mit Eltern. Interessieren sich die Eltern einen Kehricht für schulische Belange, sorgen nicht für die nötigsten Materialien, ziehen daheim über die Lehrer IHRER Schulzeit her, nehmen das System nicht ernst, schicken ihr Kind nicht pünktlich und haben für alles eine Entschuldigung, sorgen nicht einmal für passende Kleidung ( jetzt wirds grad wieder Winter und wir haben frierende T Shirtkinder ohne passende Winterjacke hier), gehen dafür gerne mal ein paar Tage früher in Urlaub „weil in den letzten Schultagen passiert ja eh nichts mehr“, dann stehen wir auf verlorenem Posten. Wie sollten diese Kinder denn die Schule wahrnehmen wenn nicht als lästige nutzlose Unterbrechung der Zockerzeit zuhause?

KOMPETENTE Lehrer nehmen übrigens auch gerne SACHLICHE Kritik von Eltern entgegen. Anmerkungen wie „Sie geben zu viele Hausaufgaben“ oder „Mein Sohn hat Probleme, Ihre Tafelanschriebe zu lesen“ können durchaus hilfreich sein, wenn man sich als Eltern vorher informiert hat.

Ich erkenne übrigens Kinder mit nicht funktionierenden Eltern meist daran, dass sie mir überdurchschnittlich viel zu erzählen haben; auch Familieninterna sowie äußerst Intimes (ich leite mittags auch den Schülerimbiss – was man da so alles erfährt…) Von außen besehen: schön, dass ein Vertrauensverhältnis besteht – – – oft denke ich aber: haben die keine Mutter, keinen Vater oder wen auch immer, der ihnen einfach mal zuhört? DAS ist eigentlich nicht mein Job. Meinen eigenen Kindern wäre es im Traum nicht eingefallen, ihr ganzes Leben breit vor den Lehrern auszuwalzen. Dafür ist doch Familie da? Sollte wenigstens?

Erstaunlich auch die (auch bei Kollegen oft vorkommenden) gut einstündigen Elterngespräche, die sich auch gerne mal gar nicht mehr um das Kind drehen, sondern zu Lebensberatung werden – ist das noch der Lehrerjob?

Als ich einer Psychiaterin einmal vor meinem ganzen Arbeitssetting erzählte, lachte sie mich aus und meinte, eigentlich täte ich z.T. das Gleiche wie sie – nur eben wesentlich schlechter bezahlt…

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Korrekturen, Bildung und Flüchtlingskinder

Zunächst mal der Tatbestand:

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Folgende Beobachtungen sind zu machen: Stellt man ein angezündetes Teelicht in (gefärbtes) Wasser und stülpt man ein Glas darüber, passieren zwei Dinge:

1. Die Kerze geht aus.

2. Der Wasserstand IM Glas steigt gegenüber dem Wasserstand außerhalb.

Warum?

1. Die Kerze hat den Sauerstoff verbraucht, den sie zum Brennen benötigt.

2. Da ein Gasbestandteil der Luft (O2) sich im Glas verändert hat („verbraucht ist“39.gif -> Alltagssprech), ist der Druck der Luft von außen, die noch O2 enthält, größer als innen, so dass von außen Wasser in das Glas gedrückt wird – und zwar  so viel, wie vorher der Anteil an O2 war. Daher wird das Wasser auch nie bis GANZ oben steigen, weil die Luft noch andere Gase enthält, die nach wie vor vorhanden sind.

(Anm. Kommt mir jetzt bitte nicht mit chemisch korrekten Pedanterien. CO2 und Zeugs wird später noch durchgenommen.)

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Jetzt kommen die Schüler zu Wort (NACHDEM wir das gemacht, beschrieben,besprochen und erklärt haben – > Arbeit): „Beschreibe und erkläre diesen Versuch! (siehe Bild)“

S1: Die Kerze ist ausgegangen, weil wir einen Becher darüber gestülpt haben.

S2: Luft hat Waser mit Kerz nach oben gedruckt. Dem Luft innen hat jede secund weniger sauerstoff und Kerz aus. Luft ausen kann nach innen drucken.

Jetzt seid ihr dran. Viel Spaß beim Punktevergeben! 1.gif

Das Schuljahr treibt die ersten Blüten…

Eintrag im Heft:

„Der Luftdruck wird gemessen in Bar oder Minibar“.

Lehrergedanken dazu: Jep. Meine jungen Kolleginnen, die abends gerne um die Häuser ziehen, brauchen mindestens 3 Bar. Mir jedenfalls würde auch schon eine Minibar so ab und zu zum Druckausgleich reichen… 😀

Lauschen bei der Partnerarbeit:

Im Text steht: In der Wüste gibt es Beduinen, die Ziegen, Schafe und Kamele züchten..“

Schülerin A: „Was sind eigentlich Bedunien?“

Schülerin B: „Das kenn ich! Meine Mutter arbeitet in der Gärtnerei – das ist eine Art von Blumen!“

C: „Nein, das sind doch Begonien.“

B: „Ja, aber Petunien gibts auch!“

A: „Ich weiß nich… Züchten die Kamele?“

 

Selbstironie

10te Klasse. Die Schüler sollen in eigenen Worten aufschreiben, was ihrer Meinung nach die Aussage eines Bildes ist, das sie vorher in ihr Heft geklebt haben.

Ein Macho-Boy-Zehner schreibt vor sich hin, liest es sich durch und murmelt „boah, dafür sollte ich ne Eins kriegen“…

Mrs  M: „Lass mal sehen, was du da geschrieben hast – joah, das trifft die Sache ziemlich auf den Punkt.“

Macho-Boy stolz: „Sehnse! Da hab ich nämlich mit dem KOPF gedacht!“

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Meine neue Bande

Erster Schultag.

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Meine neue Bande ist nicht sooo hingerissen und begeistert wie die letzte vor drei Jahren an ihrem ersten Tag (die mich heute (!) zum Teil schon wieder besucht hat nachdem ihre „neue“ Schule aus war1.gif), aber immerhin recht zutraulich und hat mir viel von ihren Ferien zu erzählen. Bloß blöd, dass dieses Schuljahr der erste Schultag gleich auf das Opferfest fällt, so dass ich die Bande nicht in ihrer ganzen Größe bewundern kann, sondern es gleich Ausfälle / Zuspätkommende deshalb gibt.

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Obwohl es einige nicht einmal geschafft haben, neben ihrer Person auch noch so etwas Schweres wie einen Stift mit in die Schule zu schleppen (geschweige denn Block, Schreibpapier o.ä.) – „Wir haben gedacht, am ersten Tag wird eh noch nichts geschafft 59.gif“ – sind sie prinzipiell aufmerksam und gespannt. „Die Ferien waren mittlerweile eh schon langweilig!“

Der Ex- Klassensprecher will unbedingt heute schon eine Neuwahl. Er will bestätigt werden! Dazu kommts aber erst mal wegen anderen Vordringlichkeiten nicht. Die Mädels sind ganz krass zwei Fraktionen, die sich nicht einmal mit dem Arsch anschauen: eine patente kumpelige laute „Wo steht det Klavier?“ Fraktion – auf der anderen Seite des Klassenzimmers eine Styling-Fashion-Schminkchen-Blöckchen-Rosa-Riege, betont gelangweilt. Das wird spannend.

Soweit sogut. Im Kopf habe ich noch viele Einzeleindrücke mit Fragezeichen, die in den nächsten Tagen und Wochen wieder und wieder bearbeitet werden: Warum hatte Marc bloß so hohe Fehlzeiten? Wie kriegt man Cihat dazu EINE Minute einfach nur stillzusitzen? Wie hat es Nurhanim geschafft, ihr altes Schulzeug im gesamten Schulhaus umzuverteilen, so dass es ihr portiönchenweise an diesem ersten Schultag von überallher von fremden Schülern gebracht werden muss (wenigstens hat sie die Sachen mit Namen und Klasse beschriftet^^) Und warum schafft es Toms Vater zwar, ihn pünktlich in die Schule zu bringen,aber nicht, ihm IRGENDETWAS mitzugeben, und sei es nur Trinken, wenn schon keinen Stift?

Ach ja, und dann probte auch noch der Chor – weil morgen kommen die neuen Fünfer, und das muss doch schick ablaufen 1.gif

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Fortsetzung folgt – womöglich…

Zu Burka und Burkini II

Im Gegensatz zum Burkini IST die Burka definitiv ein politisches und kein gängig-muslimisches Kleidungsstück und gehört daher meiner Meinung nach, egal in welchem öffentlichen Zusammenhang, verboten. Hier meine Begründung, warum ich Toleranz in diesem Fall für völlig unangebracht halte:

Wichtig zu wissen ist zunächst, dass auch ein Großteil der muslimischen Welt, und zwar Männer wie Frauen Burka und Niqab ablehnen. Als Grundlage dieser Behauptung dient für mich folgende Untersuchung:

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How people in Muslim countries prefer women to dress in public

Daraus geht hervor, dass selbst in Saudi Arabien, dem konservativsten islamischen Land, nur 11 % Burka befürworten, und dass sich AUSSCHLIEßLICH in diesem Land eine Mehrheit findet für Niqab. Schaut man sich den Durchschnitt der Muslime im Gesamten an, so finden sich die meisten bei der Hidschab wieder (und selbst gegen die protestieren zB gegenwärtig iranische Männer für ihre Frauen – siehe link). Auch Religion ist entwicklungsfähig in alle Richtungen je nach Lebensbedingungen und Umfeld… – siehe Christentum. Den Frauen, die es gewöhnt sind, das Kopftuch von jetzt auf nachher von außen verbieten zu wollen, gelingt im Übrigen nicht. Der Effekt ist in etwa der, wie wenn von jetzt auf nachher bei uns BH’s verboten würden…

Das Wesentliche dabei: Burka und Niqab werden nur in DEN islamischen Ländern annähernd (!) bevorzugt, die totalitäre und menschenverachtende Strukturen aufweisen. Sie begründen sich in keinster Weise im Koran, der niemals von Gesichtsverhüllung spricht, und dienen ausschließlich dazu, Frauen zu degradieren, abhängig zu halten und von der Teilhabe am öffentlichen Leben fernzuhalten. Weder Burka noch Niqab ermöglichen die Ausübung der meisten Berufe oder eine barrierefreie Teilnahme am Straßenverkehr. Nicht nur im Auto, auch als Fußgänger ist die Sicht gefährlich eingeschränkt, zumindest bei der Burka. Eine Kommunikation mit anderen Menschen in der Öffentlichkeit ist nur sehr eingeschränkt möglich, da Mimik und Körpersprache, die ein gutes Teil dazu beitragen, richtig verstanden zu werden, entfallen. Besonders der Beitrag der Mimik ist nicht zu unterschätzen – daher die Erfindung der Emojis im net. Das ist massive Diskriminierung: Burkaträgerinnen sind immobil und kommunikationsunfähig „gefangen“.

Das Argument, dass diese Frauen dann eben überhaupt nicht mehr aus dem Haus gehen, zieht für mich dabei nicht, da das noch um vieles mehr den Straftatbestand der Freiheitsberaubung erfüllt, gegen den staatlich vorgegangen werden kann.

Im Übrigen überrascht mich die Heftigkeit der Debatte, denn schaut man sich die Grafik noch einmal an, sind die typischen Burka- und Niqabländer keine Länder, aus denen Flüchtlinge typischerweise zu uns kommen. Sollte also eine Frau in Burka bei uns auftreten (ich habe tatsächlich noch keine live gesehen – ihr? wo? würde mich mal interessieren), würde ich tatsächlich von einem extremistisch motivierten Hintergrund bei ihr oder ihrem Umfeld ausgehen – oder von Scheichtourismus eines Saudis mit Harem, aber die sind wohl eher in der Schweiz zu finden… Wenn dann die Juweliere  an solch einen laufenden Kegel sündteuere Klunker loswerden, meinetwegen. Besser so, als hintenrum mit dem Geld den IS unterstützt.

Jedenfalls ist für mich nicht einzusehen, warum wir diesen Totalitarismus nur weniger Staaten, gegen den auch die meisten Muslime sind, importieren sollten.

Ach ja, und betreffend das Argument „ja, aber Motorradfahrer, Imker, Polizisten und Schweißer“: Diese Personen tragen die Vermummung nur beruflich bzw tätigkeitsbezogen, wenn sie sicherheitstechnisch geboten ist. Endet die entsprechende Tätigkeit, zeigen sie selbstverständlich wieder Gesicht. Burkas dagegen sind ein lebenslanger unumgehbarer Fluch in entsprechenden religiösen Diktaturen.

Zu Burka und Burkini I

Ok, nachdem die Sache sich medial hinzieht und ich immer wieder versucht bin, mich zu Kommentaren in Foren hinreißen zu lassen, was mich in eine Dauerschleife des immer-das-Gleiche-von-mir-Gebens brächte, nun meine 2 cents zum Thema zusammengefasst  als post – es sei denn, jemand belehrt mich ÜBERZEUGEND eines Besseren!

Zunächst zum Burkini:

ich verstehe in gewissem Maße, dass die Franzosen, besonders in Nizza, nach allem was passierte da gewisse Empfindlichkeiten hegen und das Tragen eines Kleidungsstückes mit dem Zeigen eines erhobenen Mittelfingers gleichsetzen. Dennoch halte ich das Urteil, das das Tragen von Burkinis erlaubt, für richtig. Warum? Ziel ist die möglichst schnelle und vollständige Teilhabe streng muslimisch sozialisierter Frauen an allen gesellschaftlichen Aktivitäten mit dem ZIEL der Integration (-> „Ziel“ bedarf eines „Weges“). Das bedeutet nicht Anpassung bis zur völligen Selbstaufgabe, sondern das Erlernen gegenseitiger Akzeptanz – auch des Akzeptierens verschiedener „Schamschwellen“. Genau so wenig, wie eine europäisch sozialisierte Reisende im 19. Jahrhundert auf Tahiti spontan ihr Oberteil ablegen würde, nur weil Nacktheit dort selbstverständlich gelebt wurde (siehe jedes beliebige Gemälde von Paul Gaugin) , genau so wenig kann man verlangen, dass nahöstlich oder afghanisch sozialisierte Frauen oder Mädchen  sich von heute auf morgen komplett entblättern. Mit dem Burkini wird Teilhabe ohne Scham ermöglicht, und die Burkiniträgerinnen müssen ihrerseits akzeptieren, dass andere Frauen und Männer ihre Schamgrenze woanders haben (immer noch verschieden, von Tanga und megaknapp bis sittsamer Badeanzug). Das Problem dabei ist, dass ein Burkini ein politisches Statement sein KANN, aber nicht unbedingt in jedem Fall IST, genau wie ein Palituch, eine Krawatte, ein Kopftuch oder Springerstiefel. Nicht jeder Träger dieser Kleidungsstücke will provozieren und spalten, folglich muss der Burkini genau wie die anderen genannten Kleidungsstücke prinzipiell zugelassen sein mit dem Risiko, dass man von anderen Menschen gedanklich in eine entsprechende Schublade gesteckt wird (was im Übrigen bei JEDER Kleidung der Fall ist). Im Prinzip kann der Burkini sogar subversiv wirken, da er „religiös korrekt“ das Ansinnen extremistischer Imame unterläuft, Frauen von öffentlichen Aktivitäten fernzuhalten.

Was am Burkini ermöglicht Teilhabe? Die gewünschte Aktivität (Schwimmen – das zu können kann übrigens überlebenswichtig sein) kann ohne Behinderung ausgeführt werden, Mimik und Gestik sind nicht behindert, frau kann problemlos mit der gesamten Umgebung kommunizieren und umgekehrt.

Jenseits des derzeit herrschenden Beigeschmacks könnte der Burkini auch eine unmuslimische Badebekleidung für kältere Tage sein (siehe Taucher, die tragen auch Neopren) oder eine geeignete Badebekleidung für Sonnenallergiker oder auch für zB durch Brandwunden entstellte Menschen, die sich nicht ins öffentliche Freibad trauen aus Furcht, dumm gemustert zu werden (das als zukünftige Vision, wenn es einmal selbstverständlicher werden sollte).

Ich hoffe, dass ich richtig verstanden werde: ich sehe Burkini nicht als DIE neue gegebene Modeströmung, sondern würde mir wünschen, dass ohne Geglotze und Gelästere alles erlaubt ist von FKK über Tanga und Badeanzug bis zum Neoprenanzug.

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(Quellen: https://www.aliexpress.com/price/surf-clothes-brands_price.html  http://www.smesnadarila.si/darila-za-moske/majice-predpasniki-in-spodnje-perilo.html)

(Hier mal ein Männerbeispiel, deren Kleidung genau so gegängelt wird in der allgemeinen Diskussion – Wer entscheidet das eigentlich, dass Socken in Sandalen „gar nicht gehen“? Sicher, sieht dämlich aus, aber deshalb gesetzlich verbieten?)

Im Prinzip sind wir genau so unfrei wie wir es den Burkiniträgerinnen vorwerfen zu sein, wenn wir nur ein ganz schmales Spektrum an Badebekleidung zulassen und für gesellschaftlich ok befinden. Das hier trifft es ganz gut:

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(Quelle: http://blog24-7.sex-mit-sartre.de/2015/07/02/das-burka-verbot-und-andere-themaverfehlungen/)

Zuletzt noch zu dem Argument, dass Burkiniträgerinnen implizit allen Nicht-Burkiniträgerinnen vorwerfen, Schlampen zu sein, weil sie anderen Bekleidungsstandards folgen:

Wer lässt hier eigentlich wen nicht gelten bzw hat die Deutungshoheit?

Wenn man diese Denkweise überträgt: Empfindet jemand beim Anblick von einem Goth den Vorwurf, selbst nicht melancholisch und tiefgründig genug zu sein, weil er sich bunt und farbenfroh kleidet? Werfen alle Bartträger implizit den rasierten Männern vor, nicht männlich genug zu sein? Fühlt sich irgendein Mann dadurch genötigt, sich einen Bart wachsen zu lassen? Ändert Frau nur deshalb ihren Style, um angemessen depressiv rüberzukommen?) Das gibts wohl – aber wer sich im eigenen Stil dermaßen verunsichern und beeinflussen lässt, hat vielleicht selbst ein massives Selbstwertproblem (und sieht, im Falle des Burkini, vielleicht wirklich doof aus im BIkini und ist neidisch 4.gif?)

Ausblick: Was dagegen Burka betrifft, bin ich völlig anderer Meinung und würde ein Verbot absolut begrüßen – Artikel folgt!

Ich mach mir die Welt…

Klar, Putzfrauen sind zum Putzen da. Wär ja auch zu doof, sie durch übertriebene Sorgfalt quasi wegzurationalisieren und arbeitslos zu machen. Aber es ist ein Unterschied, ob man harmlos vor sich hinkrümelt, staubt, Sohlendreck transportiert oder hautschuppt, oder ob man seinen Arbeitsplatz hinterlässt als ein einziges Müllmeer diverser Natur, gut durchtränkt mit klebrigen Eisteeresten („Upps…- egal!“). Wenn man das als Schüler mit Absicht tut („wofür sind Sie da? Ist doch ihr Job! Deine Mudda!“) unter Verkennung der Tatsache, dass die Arbeit der Damen streng getaktet ist (10 min pro Klassenzimmer inclusive Waschbecken, Tische abwischen, Spiegel, Tafelbereich (meist kreideschmiervertropft) etc.), dann kriegt man schon mal Ärger. Die Sprachregelung war: Wir hinterlassen das Zimmer AUFGERÄUMT – den REST macht die Putzfrau.

So auch ein Drittklässler, der nun trotzig, Kopf auf Tisch, im Flur sitzt und erst wieder in die Klasse gehen darf, wenn er sich (nach der Beseitigung der Schweinerei) bei der Putzfrau für seine Frechheit entschuldigt hat. Warum das nicht passiert, ist für meinen Chef nicht ersichtlich, denn der Kleine ist reuig und will zurück in den „Nachmittagsunterricht“ (Heyho! Filmschauen am Schuljahresende!)… Die erzieherische Maßnahme hängt sozusagen bei 85% loaded…

Ich stehe gerade mit Chef im Flur und wir bereden noch was, da kommt eine zweite Putzfrau (altgedient) schüchtern von hinten dazu. „Äh, Entschuldigung, darf ich mal was sagen? Der Kleine tut mir so leid. Ich weiß, das ist ein Lauser, der wohnt sogar bei mir in der Straße, aber das hat er nicht verdient. Könnten Sie nicht mal ein Auge zudrücken? Weil, die Sache ist die: „die“ (Putzfrau Nr. 2 und Entschuldigungsansprechpartnerin) gibt dem gar keine Chance sich zu entschuldigen! Die zeigt dem voll die kalte Schulter, weil sie sagt der ist ein Ausländer. Die ist überhaupt voll ausländerfeindlich und redet nicht mit denen. Die betrachtet ja sogar mich (Anm.:Halbkroatin zweiter Generation, zutiefst schwabisiert und schwäbisch schwätzend) als Ausländerin!“

Das verblüfft mich. Die nationalstolze Dame muss sich mit dieser Haltung selbst ziemlich ins Abseits manövrieren, denn selbst bei angestrengtem Nachdenken fällt mir von unserer Putzfrauentruppe keine andere ohne Migrationshintergrund ein.

Was sie verkennt, ist: um sich wutzende 8jährige, egal welcher Herkunft, kann man noch erziehen. Entweder zu aufmerksameren Erwachsenen, fähig zu Perspektivenwechsel, die auf ihre Umgebung Rücksicht nehmen und wissen, dass Arroganz als Umgangsform kein guter Weg ist – oder man erzieht sie zu AUSLÄNDERN (was auch bei Inländern im Übrigen sehr gut funktioniert), die im Bewusstsein groß werden, hier ohnehin keine Chance zu kriegen als Menschen zweiter Klasse und unfair behandelt zu werden -> von einem blonden Bub hätte sie die Entschuldigung wohl gerne angenommen!

Damit produziert die Säuberungskraft genau die Situation, vor der sie Angst hat, die ihr dunkel dräut und düstere Zukunftsvisionen beschert: ein gespaltenes Land, in dem Klassen und Schichten sich bekämpfen und jeder sich mit Misstrauen beäugt…

Und so stapft der Chef schließlich los, um auf eine zweite Person (erwachsen) nun erzieherisch einzuwirken.

Abschied mit Wehmut

Liebe 9er,

immer wieder habt ihr mich in den vergangenen Jahren, besonders in der 7ten und 8ten, gefragt „Wie sind wir? Wie denken die Lehrer über unsere Klasse?“ Meistens kam dann hinterhergeschoben ein „Wir sind eine schreckliche Klasse, stimmts?“  Besonders wichtig war euch euer Image immer dann, wenn es darum ging, die Erlaubnis für etwas Besonderes zu bekommen: für das Schullandheim, eine Klassenübernachtung oder einen Ausflug – wohl wissend, dass solche Extras verdient sein wollen und nicht selbstverständlich sind.

Und – wie geht es deiner Dramaklasse?“ fragte mich eine Kollegin eines Tages im Lehrerzimmer. Dramaklasse – das trifft den Nagel auf den Kopf, dachte ich. Keinen Tag gab es, an dem es mit euch langweilig wurde. Grauer Alltag – das kam bei euch nicht vor. Jeder Tag barg sein eigenes kleines Drama, zum Guten oder zum Schlechten. Das Besondere dieser Theaterform? Eine Komödie ist es nicht, und so war es mit euch auch nicht immer lustig. Aber genau so wenig ist es eine Tragödie, ein Trauerspiel mit schlechtem Ausgang. Ein Drama bleibt immer spannend, und man weiß nie, wie es ausgehen wird.

Schrecklich“ – so haben euch die Lehrer kaum genannt. Wie bei einem Drama bekam ich jeden Tag unterschiedliche Rückmeldungen. Ihr seid laut, so hieß es bei den einen. Andere lobten euch als kommunikativ und gesprächsfreudig. Ihr könnt nicht stillhalten, so klagten die einen. Die anderen meinten, ihr wärt engagiert und tüchtig, immer dabei, wenn es darum geht, mit anzupacken. Ihr kriegt den Mund nicht zu, beschwerten sich die einen – die anderen lobten euer Interesse an den Dingen und eure Neugier. Ihr seid schwer dazu zu bringen, alleine zu arbeiten, meinten die einen – die anderen freuten sich über euren Zusammenhalt und eure unkomplizierte Gemeinschaft. Die einen fanden euch frech, die anderen offen und ehrlich. All das wart ihr, aber vor allem, bei allem, bis zuletzt, immer wieder eines: nicht zu überhören.

Über 2 Jahre lang habt ihr euch im Berufsvorbereitungsunterricht mit euren Stärken und Schwächen beschäftigt und euch überlegt: Was kann ich? Was liegt mir? Wo gehöre ich beruflich hin? Meine Meinung dazu: Es gibt – nach allem, was ich bisher gesagt habe – keine Stärken und Schwächen, sondern zunächst einmal nur Eigenschaften, eure persönlichen, ureigenen Merkmale. Sie gehören zu euch, so seid ihr als Mensch gemeint – aber ihr müsst sie pflegen, damit sie zu Stärken und nicht zu Schwächen werden. Euch wurde im Praktikum gesagt, ihr wärt so still und zurückhaltend? Vielleicht ist es genau diese Eigenschaft, für die ihr später einmal im Beruf geschätzt werdet: dass ihr nachdenkt und hinschaut, bevor ihr voreilig etwas Falsches tut oder sagt, dass ihr zuhören könnt und ein aufmerksames Gegenüber seid.

Ihr seid immer wieder angeeckt mit euren Sprüchen und eurem nie versiegenden Einfallsreichtum? Andere für etwas begeistern können und alle dabei zu integrieren, das könnte eure Stärke sein. Ihr tragt eure Gedanken auf der Zunge und scheut euch nicht, sie auszusprechen? Gut so, unsere Gesellschaft braucht Menschen, die kritisch hinterfragen, zu ihrer Meinung stehen können und dann bereit sind mitzugestalten.

Aber passt auf, dass bei alldem Selbstvertrauen nicht zu Arroganz wird, Zurückhaltung und Ruhe nicht zu innerer Gehemmtheit, und dass ihr auch bei kritischen Gedanken immer noch das Gute an einer Sache oder einem Menschen seht.

Haltet Maß und behaltet den Blick auf die anderen Menschen um euch herum – aber das brauche ich euch eigentlich nicht extra zu sagen. Zwei Beispiele nur von vielen Situationen, in denen ihr mir auf beeindruckende Weise gezeigt habt, dass euch gelebte, echte Gemeinschaft wichtig ist und das ihr bereit seid, die Macken der anderen mitzutragen: in der 7ten, als ein damals „Neuer“, euch nicht nur nervte mit vorlautem Gebaren, sondern auch eueren Vertrauensvorschuss massiv missbraucht hatte, habt ihr das im Klassenrat besprochen und seid zu dem Schluss gekommen: „Ja – wir geben dir eine zweite Chance“ – und das habt ihr vorbehaltlos getan: heute ist er vielen ein guter Freund.* Dann in der 9ten, als ich schon die Geduld verloren hatte, aber ihr keine Ruhe gegeben habt, bis auch der letzte Schlamper sein Abschlusssweatshirt bestellt und bezahlt hatte: ihr habt das organisiert mit der Prämisse: wir lassen keinen zurück! – auch wenn alle möglichen Kommunikationskanäle bedient werden mussten, bis es geschafft war.

In der Abschlusszeitung habe ich einige Komplimente bekommen und danke euch dafür. Ein Kompliment gebe ich zurück: wäre ich ein Mitschüler in eurer Klasse gewesen – bei euch hätte ich mich wohlgefühlt!

Eure Frau M.

*edit:

O-Ton von P. in der 7ten (während Hofpause): Komisch, an meiner alten Schule hab ich mich immer geschlägert, aber hier gar nicht.

Frau M.:  Aha… wie kommts?

P: *zuckt mit den Schultern* kein Plan… irgendwie brauch ichs hier nicht und hab dann auch gar keinen Bock drauf. 🙂

 

Lernausflug

Mit Zweitklässlern in der städtischen Bibliothek.

Bibliothekarin: „Ich mach jetzt eine Schleichmusik an, bei der ihr zwischen den Regalen herumschleichen könnt und nach Bücherschätzen suchen!“

Kind: „Die Musik kenn ich, das ist der „dicke Panda“!“

Bibliothekarin: „Richtig! Das ist der „pinke Panthaa“!“  🙂 😀