Produktentdeckung

Wir machen Waffeln. Unsere Flüchtlingsmädels können noch recht schlecht deutsch, aber die Zutaten aus dem Rezept und dann von den Packungen abzulesen, das geht. Butter, Zucker, Eier, Mehl, Milch (ah, der feine Unterschied zwischen Mehl und Milch in der Aussprache! und dann isses was ganz anderes! )
Wir haben nicht genug Rührgeräte und ein Mädel rührt schlapp und fromm in einem Teig herum, der das mit Klumpigkeit quittiert.
Mrs M: Du hast da alles schon drin?
*Mädel nickt*
Mrs M: Gut, dann fehlt jetzt nur noch etwas Aggression.
*Mädel runzelt die Stirn und geht zu den Packungen, im die Tüte mit Aggression zu suchen*
Mrs M: Hä? Nein! *nimmt den Schneebesen und beginnt den Teig mit “Schmackes“ zu schlagen*
Mädel: ah! *strahlt* nimmt den Schneebesen und fährt fort…

 NEU! AGGRESSION! Effektiv gegen klumpenden Teig – mit superpower! 

Gespräch am Frühstücktisch, erster Advent

Mrs. M: „Eine Mutter hat sich mit meiner Kunstkollegin angelegt, weil die mit ihrer sechsten Klasse anlässlich Advent in eine Engelsausstellung gehen wollte und anschließend Engel malen lassen wollte. Kein Kitsch oder so, sondern ziemlich abstrakt und symbolhaft – dennoch. Religiöse Splittergruppe, weißte? „Nur Gott allein, Fantasiezeug ist verboten“.“

Männe: „Ach. Ok, dann soll sie doch stattdessen Kalaschnikows malen lassen. Zermetzelte Leichen. Oder Panzer?“

Mrs. M: „Stimmt. Das ginge, denn die gibt’s ja wirklich.“

Männe: „Oder Penisse.“

Mrs. M: „Gott bewahre!“ 13.gif *

Männe: „Aber die gibts auch wirklich! Ich hab selbst einen, nur mal zum Beispiel!“ 4.gif

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*funfact für Nicht – insider: etwa ab der 6. Klasse kämpfen Lehrer vergeblich dagegen, dass auf geisterhafte Art und Weise Peniszeichnungen von Schülern überall quasi von alleine auftauchen: auf Rändern von Heften (so ganz gedankenverloren…), auf Wänden, auf Pulten, auf Toilettentüren… das nennt man wohl Pubertät.

Wer tut eigentlich mal was gegen die sexuelle Reizüberflutung der armen Pädagogen durch die Schüler?

Lehrer sind keine Erzieher (Warnhinweis: ein rant)

Vorgeschichte – dieser post in einer Diskussion:

Der Lehrkörper nimmt für sich in Anspruch, Profi in Sachen „Erziehung“ zu sein. Und die Mitglieder in der Verlosung kassieren ein Schweinegeld…

Sie kommen sich fürchterbar wichtig vor, sind natürlich ausgebrannt und unterbezahlt, komplett überarbeitet  und haben null Freude am Job. Komisch, dass diese Beschreibung genau auf die komplett überforderte und inkompetente Hälfte zutrifft…

Falsch. Lehrer sind Experten in Sachen Bildung (bzw sollten es sein, wenn sie kompetent sind), nicht in Sachen Erziehung. Nicht umsonst gibt es daneben das Berufsbild des Erziehers / Sozialpädagogen. Lehrer sind, um ihren Beruf angemessen ausüben zu können, darauf angewiesen, wenigstens in Teilen erzogene Kinder vorzufinden.

Ja, Lehrer erziehen AUCH – aber Fachleute für Erziehung sind sie definitv NICHT. Gymnasiallehrer „dilettieren“ komplett – bei anderen Sekundarlehrern und Grundschullehrern sind wenigstens einige basics überflugartig in der Ausbildung mit drin. Erziehung in der Schule ist wieder ein anderes Feld als Methodik und Didaktik, wo es eher darum geht, Inhalte entwicklungspsychologisch angemessen und motivierend an den Schüler zu bringen. (merke: man kann gleichzeitig hochmotiviert und total unerzogen sein.)

Im Feld „Erziehung“ geht es eher um Inhalte wie: Wie gehe ich angemessen mit Mitschülern und erwachsenen Respektspersonen um? Wie strukturiere ich meine Aufgaben? Wie komme ich in einem Lernteam klar? Wie gehe ich mit meinen (und fremden ) Materialien um? Was sind grundlegende Höflichkeitsformen? Wie strukturiere ich mich selbst (Pünktlichkeit, (klingt lächerlich, aber ja:) Toilettengänge, „bei der Sache bleiben“ usw.

Diese „Inhalte“ sind natürlich altersgemäß unterschiedlich einforderbar. Von einem Fünftklässler kann ich mehr erwarten als von einem Erstklässler, der erst am Beginn des Prozesses steht, das alles auf die Reihe zu kriegen. Dass dann wieder ab der Pubertät einiges davon NICHT mehr funktioniert, ist auch normal.

Die Frage ist für mich, wie viel Zeit ich als Lehrer zum „Training“ dieser basics aufwenden muss und wie viel Zeit mir dann noch bleibt für meinen eigentlichen Kernauftrag, die Bildung und das (motivierende) Vermitteln von Inhalten.

Eine Verwandte von mir war Lehrerin im „desaströsen“ Nordrhein-Westfalen, Hauptschule. Sie berichtete mir, sie seien an einen Punkt gekommen, wo die Schule festlegte: mit dem Unterricht wird erst dann begonnen, wenn die Schüler zu Beginn eines Schuljahres dazu in der Lage seien. Will meinen: Die Schüler sind pünktlich da – Hefte und Stifte sind vorhanden – grundlegende Verhaltensnormen sind geklärt (eine Kultur des Zuhörens, keine Tätlichkeiten.) Das hat dann schon mal 3 Wochen „Erziehungstraining“ gebraucht, meinte sie.

So schlimm ist es hier bei uns noch nicht. Ich habe eine Stunde „Klassenrat“ pro Woche – keine Extrastunde, sondern herausgeschwitzt aus dem Pool, der für Deutsch, Mathe Englisch vorgesehen war. Das hat sich als nötig erwiesen als Grundlage dafür, dass alle anderen Fächer überhaupt sinnvoll stattfinden KÖNNEN. Darin werden Konflikte zwischen den Schülern, zwischen Schülern und Lehrern sowie Sorgen und Nöte (auch private) geklärt, damit alle den Kopf erst mal frei bekommen für Inhaltliches.

Darüber hinaus kommt es trotzdem (diese Woche zuletzt^^) vor, dass eine komplette (in dem Fall Englisch)stunde wegfällt, weil die halbe Klasse völlig außer sich aus der Hofpause zurückkommt und ein Konflikt geklärt werden muss.

Als Lehrer hat man die Wahl (und ist in JEDEM Fall Vorhaltungen der Eltern ausgesetzt):

– versucht man seinen „Stoff“ durchzuziehen, gärt und schwelt der Konflikt unterschwellig weiter. Die Schülermotivation ist ohnehin am Ende, weil die Gehirne  etwas komplett anderes beschäftigt, schlimmstenfalls kommt es zur Konfrontation – irgendwo will die aus der Pause mitgebrachte Schülerwut schließlich raus! Elternvorwurf: Man geht nicht auf die Schüler ein, wird ihnen nicht gerecht, man versucht autoritär sein Ding durchzudrücken.

– opfert man die Stunde zur Konfliktlösung, gerät der „Stoff“ ins Hintertreffen. Elternvorwurf: Was macht man eigentlich die ganze Zeit für Gesprächstherapiekreise? Haben ihre Kinder nicht ein Recht auf Bildung?

Da ähnliche Situationen immer mehr überhand nehmen, hat meine Schule (und da ist sie gegenüber anderen deutlich im Vorteil) einen Schulsozialarbeiter und pädagogische Assistenten (sic: fachlich ausgebildete ERZIEHUNGSpersonen), die Schüler, die gerade nicht „funktionieren“, aus dem Unterricht nehmen können und getrennt davon Dinge klären können.

Diesen Vorteil hat allerdings nicht jede Schule – und ja, Lehrer sind mittlerweile mit der Fülle und dem Niveau der Erziehungsaufgaben überfordert, die auf sie mehr und mehr zukommen, für die sie nicht ausgebildet sind und die sie neben ihrer eigentlichen Aufgabe leisten sollen.

Auf diese Tatsache reagieren Lehrer verschieden: die einen ziehen sich zurück auf ihre Kernaufgabe der Bildung, der „Rest“ geht sie nichts an, notfalls ziehen sie ihr Ding mit struktureller Gewalt durch – Resultat: einige Schüler mit guter Schulbildung, der Rest gemobbte Wracks oder Amoklaufüberleger. Die anderen Lehrer ackern hoffnungslos im Spagat zwischen Bildung und „Erziehung extreme“ bis zum (bei Lehrern überdurchschnittlich häufigen) burnout – Resultat… wenn ich das wüsste? Viel zu wenige Lehrer schließlich geben zu, dass Hilfe nötig ist, und zwar FACHLICHE von Erziehungsprofis, da es tatsächlich so ist, dass die Eltern IHRE Kernaufgabe der Erziehung gerne an die Schule abgeben, die dafür eigentlich nur im Rahmen einer „Erziehungspartnerschaft“ da ist, Hand in Hand mit Eltern. Interessieren sich die Eltern einen Kehricht für schulische Belange, sorgen nicht für die nötigsten Materialien, ziehen daheim über die Lehrer IHRER Schulzeit her, nehmen das System nicht ernst, schicken ihr Kind nicht pünktlich und haben für alles eine Entschuldigung, sorgen nicht einmal für passende Kleidung ( jetzt wirds grad wieder Winter und wir haben frierende T Shirtkinder ohne passende Winterjacke hier), gehen dafür gerne mal ein paar Tage früher in Urlaub „weil in den letzten Schultagen passiert ja eh nichts mehr“, dann stehen wir auf verlorenem Posten. Wie sollten diese Kinder denn die Schule wahrnehmen wenn nicht als lästige nutzlose Unterbrechung der Zockerzeit zuhause?

KOMPETENTE Lehrer nehmen übrigens auch gerne SACHLICHE Kritik von Eltern entgegen. Anmerkungen wie „Sie geben zu viele Hausaufgaben“ oder „Mein Sohn hat Probleme, Ihre Tafelanschriebe zu lesen“ können durchaus hilfreich sein, wenn man sich als Eltern vorher informiert hat.

Ich erkenne übrigens Kinder mit nicht funktionierenden Eltern meist daran, dass sie mir überdurchschnittlich viel zu erzählen haben; auch Familieninterna sowie äußerst Intimes (ich leite mittags auch den Schülerimbiss – was man da so alles erfährt…) Von außen besehen: schön, dass ein Vertrauensverhältnis besteht – – – oft denke ich aber: haben die keine Mutter, keinen Vater oder wen auch immer, der ihnen einfach mal zuhört? DAS ist eigentlich nicht mein Job. Meinen eigenen Kindern wäre es im Traum nicht eingefallen, ihr ganzes Leben breit vor den Lehrern auszuwalzen. Dafür ist doch Familie da? Sollte wenigstens?

Erstaunlich auch die (auch bei Kollegen oft vorkommenden) gut einstündigen Elterngespräche, die sich auch gerne mal gar nicht mehr um das Kind drehen, sondern zu Lebensberatung werden – ist das noch der Lehrerjob?

Als ich einer Psychiaterin einmal vor meinem ganzen Arbeitssetting erzählte, lachte sie mich aus und meinte, eigentlich täte ich z.T. das Gleiche wie sie – nur eben wesentlich schlechter bezahlt…

Korrekturen, Bildung und Flüchtlingskinder

Zunächst mal der Tatbestand:

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Folgende Beobachtungen sind zu machen: Stellt man ein angezündetes Teelicht in (gefärbtes) Wasser und stülpt man ein Glas darüber, passieren zwei Dinge:

1. Die Kerze geht aus.

2. Der Wasserstand IM Glas steigt gegenüber dem Wasserstand außerhalb.

Warum?

1. Die Kerze hat den Sauerstoff verbraucht, den sie zum Brennen benötigt.

2. Da ein Gasbestandteil der Luft (O2) sich im Glas verändert hat („verbraucht ist“39.gif -> Alltagssprech), ist der Druck der Luft von außen, die noch O2 enthält, größer als innen, so dass von außen Wasser in das Glas gedrückt wird – und zwar  so viel, wie vorher der Anteil an O2 war. Daher wird das Wasser auch nie bis GANZ oben steigen, weil die Luft noch andere Gase enthält, die nach wie vor vorhanden sind.

(Anm. Kommt mir jetzt bitte nicht mit chemisch korrekten Pedanterien. CO2 und Zeugs wird später noch durchgenommen.)

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Jetzt kommen die Schüler zu Wort (NACHDEM wir das gemacht, beschrieben,besprochen und erklärt haben – > Arbeit): „Beschreibe und erkläre diesen Versuch! (siehe Bild)“

S1: Die Kerze ist ausgegangen, weil wir einen Becher darüber gestülpt haben.

S2: Luft hat Waser mit Kerz nach oben gedruckt. Dem Luft innen hat jede secund weniger sauerstoff und Kerz aus. Luft ausen kann nach innen drucken.

Jetzt seid ihr dran. Viel Spaß beim Punktevergeben! 1.gif

Das Schuljahr treibt die ersten Blüten…

Eintrag im Heft:

„Der Luftdruck wird gemessen in Bar oder Minibar“.

Lehrergedanken dazu: Jep. Meine jungen Kolleginnen, die abends gerne um die Häuser ziehen, brauchen mindestens 3 Bar. Mir jedenfalls würde auch schon eine Minibar so ab und zu zum Druckausgleich reichen…😀

Lauschen bei der Partnerarbeit:

Im Text steht: In der Wüste gibt es Beduinen, die Ziegen, Schafe und Kamele züchten..“

Schülerin A: „Was sind eigentlich Bedunien?“

Schülerin B: „Das kenn ich! Meine Mutter arbeitet in der Gärtnerei – das ist eine Art von Blumen!“

C: „Nein, das sind doch Begonien.“

B: „Ja, aber Petunien gibts auch!“

A: „Ich weiß nich… Züchten die Kamele?“

 

Selbstironie

10te Klasse. Die Schüler sollen in eigenen Worten aufschreiben, was ihrer Meinung nach die Aussage eines Bildes ist, das sie vorher in ihr Heft geklebt haben.

Ein Macho-Boy-Zehner schreibt vor sich hin, liest es sich durch und murmelt „boah, dafür sollte ich ne Eins kriegen“…

Mrs  M: „Lass mal sehen, was du da geschrieben hast – joah, das trifft die Sache ziemlich auf den Punkt.“

Macho-Boy stolz: „Sehnse! Da hab ich nämlich mit dem KOPF gedacht!“

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Meine neue Bande

Erster Schultag.

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Meine neue Bande ist nicht sooo hingerissen und begeistert wie die letzte vor drei Jahren an ihrem ersten Tag (die mich heute (!) zum Teil schon wieder besucht hat nachdem ihre „neue“ Schule aus war1.gif), aber immerhin recht zutraulich und hat mir viel von ihren Ferien zu erzählen. Bloß blöd, dass dieses Schuljahr der erste Schultag gleich auf das Opferfest fällt, so dass ich die Bande nicht in ihrer ganzen Größe bewundern kann, sondern es gleich Ausfälle / Zuspätkommende deshalb gibt.

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Obwohl es einige nicht einmal geschafft haben, neben ihrer Person auch noch so etwas Schweres wie einen Stift mit in die Schule zu schleppen (geschweige denn Block, Schreibpapier o.ä.) – „Wir haben gedacht, am ersten Tag wird eh noch nichts geschafft 59.gif“ – sind sie prinzipiell aufmerksam und gespannt. „Die Ferien waren mittlerweile eh schon langweilig!“

Der Ex- Klassensprecher will unbedingt heute schon eine Neuwahl. Er will bestätigt werden! Dazu kommts aber erst mal wegen anderen Vordringlichkeiten nicht. Die Mädels sind ganz krass zwei Fraktionen, die sich nicht einmal mit dem Arsch anschauen: eine patente kumpelige laute „Wo steht det Klavier?“ Fraktion – auf der anderen Seite des Klassenzimmers eine Styling-Fashion-Schminkchen-Blöckchen-Rosa-Riege, betont gelangweilt. Das wird spannend.

Soweit sogut. Im Kopf habe ich noch viele Einzeleindrücke mit Fragezeichen, die in den nächsten Tagen und Wochen wieder und wieder bearbeitet werden: Warum hatte Marc bloß so hohe Fehlzeiten? Wie kriegt man Cihat dazu EINE Minute einfach nur stillzusitzen? Wie hat es Nurhanim geschafft, ihr altes Schulzeug im gesamten Schulhaus umzuverteilen, so dass es ihr portiönchenweise an diesem ersten Schultag von überallher von fremden Schülern gebracht werden muss (wenigstens hat sie die Sachen mit Namen und Klasse beschriftet^^) Und warum schafft es Toms Vater zwar, ihn pünktlich in die Schule zu bringen,aber nicht, ihm IRGENDETWAS mitzugeben, und sei es nur Trinken, wenn schon keinen Stift?

Ach ja, und dann probte auch noch der Chor – weil morgen kommen die neuen Fünfer, und das muss doch schick ablaufen 1.gif

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Fortsetzung folgt – womöglich…