Warum mein blog grade ziemlich ruht

Grade entdeckt: diesen Entwurf habe ich vor über einem Jahr geschrieben. Er gilt trotzdem noch weitgehend. Ich hoffe allerdings auf Besserung, hat sich schon einiges getan!

Viel Witziges gibt es seit Herbst nicht zu berichten.

Es gäbe wohl dramatisch-skurrile-genervte-fassungslose Facepalmstories zuhauf, wenn…

ja wenn da nicht die Persönlichkeitsrechte und der Datenschutz vor wären.

Unterrichtsgespräche wie diese habe ich jedenfalls bisher noch nie geführt:

Mrs M Ok, nachdem die Merkmale nun allen klar sind, schreibt ihr den nächsten Bericht mal alleine.

K Darf ich auch einen Bericht über mich schreiben?

Mrs M Tja, da gibts 2 Probleme: Erstens musst du ganz besonders aufpassen, dass da keine Erlebniserzählung draus wird – also keine Gedanken, Gefühle, Unterstellungen, Rede, nur Tatsachen! Und zweitens gibts ja schon den Bericht über dich, in der Zeitung. Den könntest du ja dann einfach abschreiben.

K Nein! Das ist voll falsch, was die Polizei da erzählt hat. Das war ganz anders!

Mrs M okeee… Dann schreib das. Und dann sind wir gespannt.

Yeee. Unterricht hart an der Wirklichkeit meiner Spezialisten….

Langsam wird mir schwindelig vor lauter runden Tischen mit Eltern, Schulsozialarbeit, Schulleitung, Jugendamt, Sonderpädagogen für Erziehungshilfe.

So langsam wird nun (nach einem Dreiviertelschuljahr!) aus einem Haufen äußerst Verhaltensorigineller eine „Klasse“. Es bleibt spannend.

edit was nun da steht, nach einem Jahr später, folgt (hoffentlich)…

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Kurzer Einwurf ins politische Tagesgeschehen…

In den meisten Behörden gibt es ja eigentlich schon genug Kreuze.

in Behörden der Bundeswehr

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in Schiffahrtsämtern

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in Verkehrsämtern

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oder, in ökologischerer Funktion:

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Alle vier Jahre aber gehören Kreuze VERPFLICHTEND in alle Behörden, die zum Wahlbüro werden – davon kann es gar nicht genug geben!

 

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Und das hat nichts mit Religion zu tun!

Vom Großversuch „Schule als Hochsicherheitstrakt“

1. Akt

Schusseliger Gast-Sprachenlehrer eines europäischen Partnerstaates verliert den ihm auf Zeit verliehenen Generalschlüssel. Weia, das wird teuer, denn die Schule muss die ganze Schließanlage erneuern lassen… Den satt vierstelligen Betrag zahlt mit etwas Glück die Haftpflicht, so der Aupairkollege denn eine hat. Die Stadt findet das grandios: dann kann man ja endlich auf den neuesten Standard aufrüsten – eine elektronische Schließanlage! Soll ja jetzt ohnehin Standard werden wegen Amok und so, oder?

2. Akt

Supi, die Schließanlage lässt sich programmieren! Der Musikverein darf / kann nur noch zu den Probenzeiten ins Haus, woraufhin die Anzahl mysteriös illegal gemachter Kopien, wegen derer die Lehrer angeranzt wurden (Leute, kopiert doch mal sparsamer und nicht jeden Mist! Was das kostet!) drastisch sinkt. Tja, GEMA heißt eben nicht „gema da rüber und kopier noch was für die neuen Bläser“…

3. Akt

Die Stadt denkt sich daraufhin weiter aus, wenn wann reindürfen soll. Man hat ja so viele Möglichkeiten! Für Lehrer soll die Schule von 7 Uhr bis 17 Uhr an Wochentagen geöffnet sein. Die Lehrer jubeln. Endlich den Nachmittagsunterricht ausfallen lassen und den Ganztagsbetrieb, wenn eine Konferenz ansteht! Elternabende und Eltern-Einzelgespräche nur noch zu ordentlichen Geschäftszeiten! Keine lästige Vorbereitung des Technikunterrichtes / Kochunterrichtes / Chemieunterrichtes mehr am Wochenende! Keine aufwändige Stationenarbeit mit freiem Lernen im Klassenzimmer! Ab jetzt wird, zumindest Montags, nur noch Theorie gepaukt – und ganzwöchig frontal unterrichtet! Schließlich kann man diverse Gefahrstoffe für das Experiment nicht mal von Freitag bis Montag rumstehen lassen, das Holz für Technik konnte ja auch erst am Freitagmittag nach dem Unterricht gekauft werden, und dann ist es ja noch nicht zugesägt. Stationen richten geht auch nur dann, wenn keine Schüler dazwischenstiefeln, also: nicht. Immerhin sind wir Ganztagsschule. Wie jetzt, die „verlässliche Betreuung der Kinder muss für berufstätige Eltern gewährleistet sein und Ausfall „Ganztag“ geht gar nicht? Wie jetzt, vor 17 Uhr haben die Eltern aber keine Zeit und das wäre eine Zumutung? Auf städtischen Ämtern geht das doch auch! Wie jetzt, das Schulprofil mit viel praktischer Arbeit und freiem Lernen darf nicht leiden? So ein Mist aber auch.

Die Stadt mault bei der Schulleitung: Wenn das so ist, dass es bei Lehrern nur mit zeitlich unbegrenztem Zugang geht, hätten wir ja auch beim konventionellen System bleiben können, was ergibt das für einen Sinn? Moment mal – WER wollte nochmal das neue System? Und warum nochmal gleich?

4. Akt

Schauen wir also auf das item Amok. Die niederschwelligsten amokartigen Erfahrungen haben wir bereits gemacht mit Helikoptereltern, die ihr Kind trotz der eindeutigen Aufkleber an den Schultüren „Ab hier kann ich alleine“ ihr Kind bis ins Klassenzimmer verfolgen, ihm den Ranzen auspacken/am Ende wieder einpacken, in den Sachen von Mitschülern schnüffeln (wirklich wahr!) und erst nach mehrfacher Aufforderung der Lehrkraft das Schulgebäude widerwillig verlassen, um sich 20cm hinter der „Schulgrenze“, wo Rauchverbot herrscht, erst einmal eine Kippe anzuzünden. Ab jetzt sollte es also wirklich „wir bleiben draußen!“ für Eltern heißen – wenigstens doch mittags beim Abholen (Sowieso eine komische Unsitte, aber das ist wieder ein Thema für sich). Die Schultüren sind geöffnet bis eine Viertelstunde nach Unterrichtsbeginn, wer dann kommt, muss klingeln und sich der Sekretärin an der Sprechanlage erklären, die ungeheuer begeistert über ihr neues Job-Tool ist und dementsprechend reagiert. Wer Drachen mag…

Die Praxis dazu: eine Klasse ist derzeit wegen Platzmangel in ein anderes Gebäude ausgelagert, muss aber für Kochen, Technik, Chemie… weiterhin in die Fachräume ins Haupthaus. Am Ende der großen Pause ist jeweils wechselnd eine andere Klasse für den „Hofdienst“ zuständig und sichtet den Schulhof noch einmal nach Müll, vergessenen Brotdosen, Mützen usw.  Auch diese Schüler müssen wieder ins Haus kommen – NACH allen anderen, ist ja klar. Die Grundschüler gehen zu unterschiedlichen Zeiten mittags in die Mensa, auch da muss der Rückweg gewährleistet sein. Und zwar während der GANZEN Mittagspause, sonst kann da ja keiner aufs Klo. Lösung: die zusätzliche app „formschöner Holzkeil“, der den Zugang zum Haus außerhalb der Öffnungszeiten ermöglicht, indem er verhindert, dass die Türen zufallen.

Und beim Abholen zu Unterrichtsende?

„Ha, die müssen jetzt draußen bleiben!“ feixt eine Abhol-Oma, die nachmittags gegen Schulende bereits im Haus steht und die anderen Eltern draußen mustert. Ähm – bereits im Haus? Des Rätsels Lösung: die Oma ist nicht nur Oma, sondern auch eine unserer Putzfrauen, da hat sie natürlich einen Chip – und wer mit ihr gut kann (aber nur der!), hat zumindest eine kleine Chance auf das Privileg, auch hineinzudürfen.

Fehlt noch Akt 5:

Bei Befragen des Hausmeisters, was denn nun bei Stromausfall, leeren Batterien oder Softwareproblemen im Zusammenspiel Tür – Chip passiert, konnte der auch nur mit den Achseln zucken.

Ach ja, zum Schluss noch: in unserer Schule wird durchschnittlich ein mal im Jahr, meist völlig sinnlos eingebrochen. Die zwei letzten Male kamen die Einbrecher über einfach verglaste Fenster im EG und im Souterrain. Und die gibts natürlich immer noch…

Korrekturen – Elektro Basics und Co…

Arbeiten korrigiert und wieder mal ganz neue Erkenntnisse gewonnen.

Zunächst mal: wenn man sich mit Elektrizität befasst, wird man offensichtlich ziemlich alt, denn:

Bei der Parallelschaltung gibt es zwei Stromgreise.

Nicht- deutschstämmige Schüler wiederum argwöhnen hinduistische Wurzeln bei uns, denn:

Das ist eine Sicherungskaste.

Andere haben womöglich zu viele Krimis geschaut und bauen Inhalte aus polizeilichen Verhören ein 16.gif:

Jedes Gerät wirkt als Widerstand und sorgt dafür, dass die Stromstärke singt!

… natürlich nur, wenn das Gerät ein „bad“ cop ist, klar!

Das Folgende jedoch gab mir zu denken:

Die Maßeinheit der Stromstärke ist Aupair.

Ok? Aber wie viele Au pairs braucht man denn nun, um so richtig unter Strom zu kommen? Und spielt es eine Rolle, aus welchem Land sie sind? Fragen über Fragen..

Zuletzt noch ein Schmankerl vom Mikroskopieren, das mich zum Grinsen brachte:

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…im Original, sonst glaubts mir ja doch keiner 4.gif

Erwachsen werden

Ok, ich werde erst wieder in knapp 2 Jahren eine Abschlussrede halten müssen. Dennoch kommt mir bei dieser Klasse (Marke „Hempels unter dem Sofa“) schon heute ab und zu in den Sinn:  Was willst du denen eigentlich sagen? Was könnte wichtig werden für sie? Dazu erste Gedanken hier als „Notizblock“ – mal sehen, was sich in anderthalb Jahren noch entwickelt 🙂

Der Anfang:

die Welt – ein Karussell

schön bunt

alles dreht sich um DICH

bis du bemerkst:

du wirst gedreht

von den Rotoren deiner Helikoptereltern

von Institutionen

und gesellschaftlichen Zwängen

du willst anhalten

aussteigen

die Welt erfahren, wie sie wirklich ist

Du wirst zum Sand im Getriebe

bremst

steigst aus

verweigerst

und du stellst fest:

Du bist nicht der Mittelpunkt.

Du bist nicht der Nabel der Welt

Nichts dreht sich um dich

du bist nicht wichtig, nicht für die Welt

die Welt, sie IST einfach

niemand braucht dich

niemand hat auf dich gewartet

niemand dreht dich

Stillstand

Nun ist es an dir.

Gibst du auf

und lässt dich wieder von anderen drehen

von Institutionen

von Zwängen

der Gesellschaft

oder nimmst du es selbst in die Hand:

Beginnst du selbst, deine Welt zu bewegen,

dann wird sie sich wieder drehen,

diesmal in Wahrheit um dein Ich,

so wie du es selbst bestimmst.

Der Preis dafür ist Arbeit.

Niemand wird sie für dich übernehmen

und wenn doch,

dann werden wieder andere bestimmen

worum es sich bei dir eigentlich drehen soll

Saubande, pubertierende oder: der alltägliche Wahnsinn

Melina ist nach dem Vormittagsunterricht nicht mehr erschienen – der Nachmittagsunterricht findet ohne sie statt. Keiner weiß was.

Mrs M: Hat es in der 5. /6. Stunde Sport irgendein Problem gegeben?* Hat sie irgendwie gesagt ihr wäre schlecht oder so?

(*das wäre nicht neu: Zickenkrieg vom Feinsten beim Parcours durch die Halle – das hat was…)

Asli: Nö, der gings gut. Die ist nur die ganze Zeit durch die Halle gerannt und hat „Penis“ geschrien.

Stimme aus dem off: Na kein Wunder, dass sie dann nachmittags nicht mehr „gekommen“ ist. Muha.

 

Meanwhile: Nermal (13) kommt 7 Minuten zu spät zum Nachmittagsunterricht. Er ist blass um die Nase und jammert: Mrs M, ich hab so Bauchweh… dann muss er aufs Klo.

Gespräch im Lehrerzimmer nach dem Nachmittagsunterricht: Ach Mrs M, wenn ich dich grad sehe – der Nermal, der gehört doch zu dir? (Äh, ja?) Den hab ich in der Mittagspause im Park gesehen, mit 2 Neunern, da hat der geraucht. Also der Nermal. Wollte wohl den Größeren imponieren.

Ach DAHER… Jetzt wird mir einiges klar…

Produktentdeckung

Wir machen Waffeln. Unsere Flüchtlingsmädels können noch recht schlecht deutsch, aber die Zutaten aus dem Rezept und dann von den Packungen abzulesen, das geht. Butter, Zucker, Eier, Mehl, Milch (ah, der feine Unterschied zwischen Mehl und Milch in der Aussprache! und dann isses was ganz anderes! )
Wir haben nicht genug Rührgeräte und ein Mädel rührt schlapp und fromm in einem Teig herum, der das mit Klumpigkeit quittiert.
Mrs M: Du hast da alles schon drin?
*Mädel nickt*
Mrs M: Gut, dann fehlt jetzt nur noch etwas Aggression.
*Mädel runzelt die Stirn und geht zu den Packungen, im die Tüte mit Aggression zu suchen*
Mrs M: Hä? Nein! *nimmt den Schneebesen und beginnt den Teig mit “Schmackes“ zu schlagen*
Mädel: ah! *strahlt* nimmt den Schneebesen und fährt fort…

 NEU! AGGRESSION! Effektiv gegen klumpenden Teig – mit superpower!